Auf den Spuren des zweiten Indochinakrieges

Der Vietnamkrieg hat tiefe Spuren hinterlassen in diesem Land. Eigentlich muss man ja von mindestens zwei Kriegen sprechen. Der erste wurde gegen die französische Kolonialmacht geführt und endete 1954 mit der Trennung Vietnams entlang des 17. Breitengrades und wird offiziell als der erste Indochinakrieg bezeichnet. Was wir als Vietnamkrieg oder zweiten Indochinakrieg bezeichnen, ist in Vietnam als „the american war“ bekannt. Dazwischen war Vietnam während des zweiten Weltkrieges unter japanischer Besatzung und die Chinesen haben auch immer mal wieder mitgemischt. Diese turbulente Vergangenheit zeigt sich in den verschiedensten Bereichen des vietnamesischen Lebens, aber in diesem Artikel soll es um die Überbleibsel des amerikanischen Krieges gehen.

Wer Kriegsfilme schaut oder zur Generation unserer Eltern gehört, hat vielleicht schon von Orten wie dem Rockpile, Hamburger Hill oder dem Hanoi Hilton gehört. Viele der am heissesten umkämpften Stellungen und Anlagen sind heute zur Besichtigung freigegeben.

DMZ

Insbesondere im Bereich der DMZ (Demilitarized Zone) gibt es unzählige dieser Mahnmale zu besichtigen. Die DMZ wurde entlang der Grenze zwischen Nord und Südvietnam eingerichtet nachdem das Land 1954 geteilt wurde. In diesem schmalen Streifen Land tobten während des zweiten Indochinakrieges die erbittertsten Schlachten zwischen den Amerikanern und den kommunistischen Truppen Nordvietnams. Da die interessanten Stellen teilweise schwierig zu finden sind und Blindgänger noch immer eine Gefahr darstellen, haben wir uns von Hué aus einer geführten Tour angeschlossen.

Besonders eindrücklich war die Besichtigung der Überbleibsel der Keh Shan Combat Base, einem Stützpunkt der US Marines nahe der laotischen Grenze. Diese Base wurde 1968 während mehr als zwei Monaten von der Nordvietnamesischen Armee eingeschlossen und war kontinuierlichen Angriffen ausgesetzt. Während dieser Zeit mussten die rund 6000 US Soldaten über den Luftweg versorgt werden. Die Belagerung endete damit, dass sich sowohl die Nordvietnamesische Armee, als auch die Amerikaner zurückzogen, weshalb heute beide Seiten den Sieg für sich beanspruchen. Heute befindet sich auf dem Gelände neben verschiedenen Flugzeugwracks und anderen Trümmern ein Museum, in welchem der heroische Sieg über die amerikanischen Imperialisten dokumentiert wird.

Ho Chi Minh Mausoleum

In Vietnam ist Ho Chi Minh heutzutage immer noch allgegenwärtig. In vielen öffentlichen Gebäuden hängt sein Portrait, Saigon heisst Ho Chi Minh City und viele Schulklassen unternehmen die Pilgerfahrt nach Hanoi um den sterblichen Überresten von Uncle Ho die Ehre zu erweisen. Das Mausoleum wurde nach Ho Chi Minhs Tod 1969 im Stil des Lenin Mausoleums erbaut und seither liegt sein einbalsamierter Leichnam in einem Glassarg im inneren des riesigen Gebäudes.

Wir haben das Mausoleum besucht und waren ziemlich erstaunt über die Jahrmarktstimmung, welche auf dem Gelände herrschte. Trotzdem haben wir uns mit hunderten von anderen Besuchern zusammen eingereiht um das Mausoleum zu betreten. Vorbei an vielen Sicherheitskontrollen, Ehrengarden und Blumenkränzen wurden wir schlussendlich in Einerkolonne durch den schwach beleuchteten Raum mit dem Glassarg geschleust. Die Leute, die eben noch laut miteinander gesprochen und diskutiert haben wahren nun mucksmäuschenstill und nicht wenige mussten beim Anblick des zerbrechlich wirkenden Körpers eine Träne abwischen.

Auch für uns war der Besuch eine ziemlich nachdenklich stimmende Erfahrung. Einerseits weil noch immer ein solch eindrücklicher Personenkult zelebriert wird, was wir bisher noch nie so erlebt haben, andererseits auch weil wir wissen, das Ho Chi Minh eigentlich für seine Bescheidenheit und seinen einfachen Lebensstil bekannt und beliebt war. Er wünschte sich ausdrücklich nach seinem Tod verbrannt zu werden um zu verhindern, dass er einbalsamiert und ausgestellt wir.

Man kann über seine politische Aktivität dieser oder jener Meinung sein, aber irgendwie finden wir das nicht so fair…

Hanoi Hilton

Das Kriegsgefangenenlager in Hanoi war unter den amerikanischen Truppen berüchtigt. Gerüchte über menschenunwürdige Zustände und brutale Verhörmethoden machten insbesondere unter den Flugzeugbesatzungen die Runde. Einer der bekanntesten Insassen während des Krieges war, der heutige US Senator, John McCain. Das von den Soldaten euphemistisch „Hanoi Hilton“ genannte Gefängnis ist heute ein Museum.

Ein Besuch lohnt sich vor allem, um auch die andere Darstellungsweise, die vietnamesische, kennenzulernen. Der zufolge wurden die amerikanischen „Aggressoren“ trotz ihrer „barbarischen“ Handlungen (die massive Bombardierung Hanois) nach allen Möglichkeiten gut ernährt und versorgt. Das Museum zeigt verschiedenste Bilder von Basketball spielenden, kochenden oder gemütlich rauchenden Amerikanern.

Welche dieser Darstellungsweisen nun näher an der Wahrheit liegt, können wir nicht beurteilen, aber es ist auf jeden Fall spannend beide Seiten kennenzulernen. Übrigens wurde nach dem Krieg ein Teil des Gefängnisses abgerissen und auf dem Gelände ein Hilton Hotel errichtet…

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