Kashgar- Erste Schritte auf der Seidenstrasse

Nachdem wir Jiayuguan in Richtung Kashgar verlassen hatten, fühlten wir uns plötzlich nicht mehr wie in China. Die Leute in Xinjiang, der westlichsten Provinz Chinas, sind grösstenteils Uiguren. Dieses muslimische Turkvolk hat mehr mit den Völkern der Stanländer oder sogar mit den Türken zu tun als mit den Hanchinesen.

Turpan

Unsere Reise führte uns zuerst nach Turpan, einer kleinen Oasenstadt auf dem nördlichen Arm der alten Seidenstrasse. Diese Stadt am Rand der Taklimakanwüste ist in ganz China für seine Trauben und Rosinen bekannt. Leider waren wir noch einige Wochen zu früh dort, so dass wir noch nicht in den Genuss frischer Trauben kamen.

Dennoch haben wir die Zeit in Turpan sehr genossen. Der schöne Innenhof in unserem Hostel, das relativ schnelle Internet und der Bookexchange haben unseren dreitägigen Aufenthalt sehr angenehm gemacht. Besonders genossen haben wir, dass wir endlich wieder einmal Brot kaufen konnten. Seit mehreren Monaten haben wir unseren Kohlenhydratbedarf mit Nudeln und Reis gedeckt. Somit war das erste Brot, frisch aus dem Holzofen ein wahres Festmahl. Als wir dann gleich neben unserem Guesthouse eine kleine Molkerei entdeckten, welche frisches Joghurt verkaufte, wussten wir, dass wir definitiv in Zentralasien angekommen sind.

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Frisch aus dem Holzofen!

Zum Glück haben wir uns in Turpan so entspannt, denn der folgende Reiseabschnitt war einer der anspruchsvollste unserer ganzen bisherigen Reise.

Die lange Reise von Turpan nach Kashgar

Einige von euch wissen vielleicht wie im Sommer die S5 von Zürich nach Bülach in der Stosszeit aussieht. Wenn alle Plätze besetzt sind, die Leute im Mittelgang stehen und die Klimaanlage ausfällt. Unsere Reise von Turpan nach Kashgar war so ähnlich, nur dauerte sie 25 Stunden. Auf dieser Strecke verkehren die meisten Züge nur mit hard und soft seats und die sleeperclass ist kaum vertreten. Da bereits alles ausser hard seats ausgebucht war, blieb uns keine Wahl…

Tja, und hard war es dann auch. Auf der einen Seite des Zuges ein Viererabteil, auf der anderen eine Sechser, in welches sich mindestens 8 Personen quetschten und los geht’s.

Security first!

Was uns in ganz Xinjiang aufgefallen ist, sind die vielen Checkpoints. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Unruhen, da sich die muslimische Bevölkerung durch die Regierung in Peking (möglicherweise zu Recht) unterdrückt und benachteiligt fühlt. Wir hatten aber den Eindruck, dass alle diese Checkpoints blosse Schikane oder „show of force“ sind. Denn zur Sicherheit tragen sie ziemlich sicher nicht viel bei. Dazu zwei Beispiele:

  1. In der ganzen Provinz ist das Transportieren von Messern verboten. Natürlich haben wir aber ein Messer dabei, irgendwie müssen wir ja die Wassermelonen essen… Um den Transport von gefährlichen Gegenständen zu unterbinden wird das Gepäck an allen möglichen Orten immer wieder gescannt. An Bahnhöfen, an Bushaltestellen, bei der Metro sowie bei den vielen Strassencheckpoints. Entweder funktionieren die Scanner aber nicht, oder die Beamten interessieren sich mehr für ihr Smartphone als für den Inhalt des Gepäcks, unser Messer wurde auf jeden Fall nur ein einziges Mal entdeckt.
  2. Nun könnte man argumentieren, dass gegenüber Touristen das Gesetz halt etwas weniger streng umgesetzt wird. Wenn man dann aber sieht wie viele Locals den Bus einfach mitten auf der Strasse anhalten und (dann natürlich ohne scannen des Gepäcks) zusteigen, fragt man sich schon, weshalb man das ganze Spielchen selber immer wieder mitmacht.
Im schnellsten Bus Kashgars

Als wir schlussendlich in Kashgar ankamen waren unsere Nerven leicht am ausfransen. Mittlerweile kennen wir uns gegenseitig recht gut. Deshalb wissen wir, dass die Zeit zwischen der Ankunft an einem neuen Ort und dem Erreichen der Unterkunft die heikelste für den Frieden zwischen uns ist. Nach langem Suchen fanden wir endlich einen Bus in die Innenstadt. Er war zwar nicht entsprechend beschriftet aber wir glauben, dass es kein normaler Bus war, sondern ein Teilnehmer an einer Kashgarrally (Kein Problem, er hat nur eine Frau beinahe Überfahren).

Auf jeden Fall gönnten wir uns anschliessend ein Doppelzimmer und verbrachten den ersten Tag in Kashgar mit schlafen.

Kashgar

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It’s a deal!

Wenn man es denn erreicht hat, ist Kashgar eine wunderbare Stadt. Die Abgelegenheit ganz am Rande von China ist beinahe spürbar und das Stadtbild hat nichts mehr mit einer chinesischen Metropole gemeinsam. Wir verbrachten unsere Zeit im Teehaus, auf dem Viehmarkt und mit dem organisieren unseres Transports nach Kirgistan.

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