Wandern in Langmusi sowie Tee trinken und Pfeffer essen.

Den grössten Teil unserer Zeit in Szechuan haben wir in Langmusi verbracht. Dieses staubige Dörfchen an der Grenze zur benachbarten Provinz Gansu wäre nichts spezielles, wenn es nicht so perfekt gelegen wäre. Ganz am nördlichen Ende der Aba Grasslands, auf rund 3500 m. ü. M., eignet es sich hervorragend als Ausgangspunkt für Entdeckungstouren in dieses spezielle Gebiet.

Die Aba Grasslands befinden sich im Nordwesten der Provinz Sichuan, nahe an der Grenze zur Gansu Provinz. Die Region wird hauptsächlich von tibetanischen Nomaden bewohnt, welche mit ihren riesigen Schaf-, Ziegen- und vor allem Yakherden umherziehen. Langmusi gilt unter ausländischen Backpackern schon lange als Trekkinggeheimtip. Seit einigen Jahren reisen aber auch immer mehr chinesische Touristen dorthin um zu reiten, in Yurten zu schlafen und die weiten Ebenen zu geniessen. Troztdem ist Langmusi immer noch ein staubiges, aber geschäftiges Bergdorf. Die rund 5000 Personen zählende Bevölkerung Langmusis besteht aus Muslimen, buddhistischen Mönchen, tibetanischen Cowboys und dem einen oder anderen Touristen.

Wanderung in Langmusi

Wir wollten vor allem wieder einmal selbstständig und ohne Checkpoints wandern. Einige der empfohlenen Wanderungen starten in einer der beiden Klosteranlagen Langmusis. Da religiöse Stätte in China oftmals auch touristisch genutzt werden und darum Eintritt kosten, waren wir davon allerdings nicht so begeistert… Wir entschieden uns, einfach auf einen der vielen Berge zu steigen, welche vom Dorf aus sichtbar sind.

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Aussicht auf Langmusi

Es hat sich gelohnt. Der Aufstieg führte uns zuerst über Weiden, dann durch alpenrosenähnliches Gestrüpp und zuletzt über eine Geröllflanke auf den Grat. Dort erwartete uns eine unangenehme Überraschung. Als wir nämlich den Grat erreichten, sahen wir wie sich am Himmel dahinter ein Unwetter zusammenbraute. Eigentlich war unser Plan, dem Grat zu folgen und über eine andere Route wieder ins Dorf zu gelangen. Aufgrund des Wetters entschieden wir uns aber auf der Rückseite in die Ebene abzusteigen und auf einem Kiesweg den Berg umrundend wieder nach Langmusi zurückzukehren. Auch diese Route war super und als ein kurzer aber heftiger Regen niederging, fanden wir eine Höhle, in der wir unterstehen konnten.

Essabenteuer

Sichuan ist ja bei uns vor allem für die gepefferte Küche bekannt. In der Hauptstadt Sichuans, in Chengdu, haben wir einige interessante kulinarische Erlebnisse gemacht. Glücklicherweise haben in China viele Restaurants bebilderte Speisekarten. Das macht es ein wenig einfacher, Gerichten wie zum Beispiel Froschhaut oder grillierten Hahnenkämmen aus dem Weg zu gehen. Trotzdem, einmal haben sich einige Hühnerfüsse in unser Nachtessen verirrt…

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Die kleinen grünen Kügelchen sind Sichuanpfeffer.

Pfeffer essen

Aber zurück zum Pfeffer. Diesem kann man in Sichuan eher schlecht ausweichen. Einmal haben wir ein Fleischgericht bestellt, welches auf der Karte sehr lecker ausgesehen hat. Schlussendlich war es ein Teller, zu gleichen Teilen gefüllt mit gebratenem Fleisch und gehackten Chilischoten. Das an sich wäre kaum essbar gewesen, wenn da nicht noch der Sichuanpfeffer gewesen wäre. Diese Körner haben eigentlich gar nichts mit Pfeffer zu tun, sondern hinterlassen ein eigenartig taubes Gefühl im Mund. Irgendwie hat es uns an das Gefühl erinnert, welches man nach einer Lokalanästhesie beim Zahnarzt hat. Natürlich fanden wir das Essen danach nicht mehr so scharf. Wir vermuten, dass genau dieser Effekt der Grund ist, weshalb diese „Pfefferkörner“ immer zusammen mit superscharfen Gerichten serviert werden. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der Sichuanpfeffer keinen Einfluss auf die Auswirkungen des scharfen Essens am nächsten Tag hat…

Tee trinken

Nicht ganz so extrem geht es in den unzähligen Teehäusern Chengdus zu und her. Diese ruhigen Oasen inmitten der hektischen Millionenstadt sind sowohl bei Locals, als auch bei Touristen sehr beliebt. Unser Lieblingsteehaus befand sich in einem alten Tempel und wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag mit Grüntee trinken. Vor allem die Kommunikation mit dem Personal ist interessant, da der Gast traditionellerweis durch die Anordnung seiner Trinkutensilien (Tasse, Deckel und Unterteller) auf dem Tisch signalisiert was er braucht. Das war natürlich für uns sehr hilfreich, da sich unser Mandarinwortschatz noch immer auf Nihao beschränkt. Und auch das können wir noch nicht korrekt aussprechen…

Von Sichuan reisten wir nach Gansu, dem Letzen Aussenposten der Zivilisation und von da aus weiter in die Barbarengebiete der grossen, westlichen Wüste.

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