Von Derwischen und Höhlenbewohnern

Als wir von Istanbul aufbrachen, führte unser Weg zuerst einmal unter dem Bosporus hindurch. Die erst kürzlich fertiggestellte Marmaray Linie der Istanbuler Metro verbindet den europäischen mit dem asiatischen Teil der Stadt. Unsere Reise führte uns vom Istanbuler Pendik Bahnhof nach Konya in Zentralanatolien, und dies Streckenweise mit 250 km/h, denn im westlichen Teil der Türkei wurde ebenfalls erst kürzlich ein neues hochgeschwindigkeits Zugnetz eingeführt. So sind wichtige Städte wie Ankara, Istanbul, Antalya und Konya mit dem Zug sehr viel einfacher zu erreichen als noch vor zwei Jahren.

Die Provinzhauptstadt Konya ist vor allem wegen Mevlana und den Derwischen bekannt. Wem dies jetzt nichts sagt, keine Angst, die Bildungslücke wird sogleich gefüllt. Mevlana Dschalal ad-Din war ein bedeutender persischer Dichter und Mystiker aus dem 13. Jahrhundert, welcher in Konya einen Islamischen Mönchsorden mit einer sehr speziellen Anbetungsform gründete. Während nämlich im Islam hauptsächlich kniend gebetet wird, wirbeln die Derwische, so werden die Mönche genannt, nach einem genau vorgegebenen Schema um die eigene Achse. Durch dieses rasche drehen erreichen die Derwische einen Zustand, in welchem sie sich Allah besonders nah fühlen. Heutzutage werden diese Zeremonien, welche zum UNESCO Weltkulturerbe gehören, in einem eigens dafür errichteten Saal abgehalten.

So viel zur Theorie. Wir wollten eine solche Sema- Zeremonie mit eigenen Augen sehen. Für uns als unbeteiligte Zuschauer war es einerseits eindrücklich zu sehen, wie die rund 20 Männer nach jahrhunderte alten Regeln durcheinanderwirbelten. Andererseits hatte das ganze aber irgendwie schon ein wenig Zirkuscharakter. Unser Fazit: Eindrücklich, aber keine eigene Reise wert.

Was aber ganz bestimmt eine eigene Reise wert ist, ist Kappadokien. Ein relativ kleines Gebiet in Zentralanatolien, bedeckt mit fossiler Vulkanasche, welche über die Jahrhunderte in den Verrücktesten Formen erodierte und anschliessend von Menschen mit unzähligen Höhlen durchzogen wurde. So entstand über die Jahrhunderte teilweise natürlich, teilweise durch Menschenhand der wohl grösste Abenteuerspielplatz der Welt. Während den fünf Tagen, welche wir in Kappadokien verbrachten, zelteten wir auf einem kleinen Campground in Avanos. Von dort aus unternahmen wir verschiedene Ausflüge zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region. Im Openairmuseum in Göreme zum Beispiel kann man verschiedene Kirchen Besuchen, welche teilweise vor über 1000 Jahren in den weichen Tufstein gemeisselt wurden. Leider war dieses Museum total überlaufen und kam uns beinahe wie ein Erlebnispark vor.

Viel besser haben uns die Wanderungen gefallen, welche wir auf eigene Faust in den abgelegenen Tälern unternommen haben. Dort begegneten wir teilweise stundenlang keinem anderen Menschen und hatten die unzähligen Höhlenwohnungen ganz für uns alleine zum Erkunden. Manchmal schlugen die Bewohner dieser Täler richtige Häuser aus dem Felsen, welche durch Gänge miteinander verbunden waren. Auch waren die abgelegenen Felsenkirchen mit ihren uralten Fresken mindestens so eindrücklich wie diejenigen in Göreme und zudem noch menschenleer.

An einigen Orten gingen die früheren Bewohner Kappadokiens sogar soweit ganze unterirdische Städte anzulegen, welche dann aber nur temporär bei einer Bedrohung bewohnt wurden. Eine Solche Stadt haben wir in Kaymakli besucht. Man geht davon aus dass sie sich über acht Stockwerke in die Tiefe erstreckt und rund 5000 Menschen Platz bot. Damit wäre Kaymakli die grösste unterirdische Stadt in Kappadokien. Zurzeit sind aber erst vier Stockwerke soweit freigelegt, dass sie Touristen zugänglich sind.

Die Zeit in Kappadokien haben wir aber auch genossen, weil wir auf dem Zeltplatz Zeit hatten zu faulenzen, zu lesen und einfach wieder einmal einige Tage am selben Ort zu verbringen.

3 thoughts on “Von Derwischen und Höhlenbewohnern

  1. Danke Pämi und Sevi für eure spannenden Berichte, wir freuen uns jedesmal zu lesen wie es euch geht! Macht es weiterhin gut, lieber Gruss, Michel und Jocelyne

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