T’aarof- das System der Höflichkeit

T’aarof, das Jahrhundertealte Persische System der Höflichkeit, ist tief in der Kultur verwurzelt. Während dem ganzen Monat, den wir in Iran waren, wurden wir immer wieder damit konfrontiert.

Es ist nicht ganz simpel zu erklären was es mit T’aarof genau auf sich hat und wir haben bei weitem noch nicht alle Facetten verstanden, aber wörtlich bedeutet T’aarof „sich bekannt machen“. Das Wort beschreibt eine spielerisch anmutende, aber sehr ernstzunehmende Art sein Gegenüber wertzuschätzen und ihn unter keinen Umständen in eine für ihn unangenehme Situation zu bringen.

Das ganze lässt sich wahrscheinlich am einfachsten anhand von Beispielen erklären. Wenn ein Iraner in der Öffentlichkeit etwas isst, wird er es immer zuerst den Menschen in der Nähe anbieten, desgleichen auch in der Metro. Wenn ein Sitz frei wird, setzt sich niemand hin, ohne den Platz zuerst jemand anderem anzubieten. Das ist aber noch nicht alles, derjenige nämlich, dem das Angebot gemacht wurde, muss nun zuerst Ablehnen. Ein sofortiges Annehmen des Angebots wäre Äusserst unhöflich. Wie oft und wie heftig man ablehnen muss ist je nach Situation unterschiedlich, aber mindestens dreimal sollten es schon sein.

Bei Einladungen ist es genau das gleiche, schnell haben wir gemerkt, dass uns viele Leute zum Tee oder sogar zum Essen nach Hause einladen. Einem Reisenden, der noch keine Unterkunft oder noch nichts gegessen hat, muss dies nach dem T’aarof System angeboten werden. Dies ist selbst dann der Fall, wenn der Einladende möglicherweise kein zusätzliches Bett hat oder die Mittel für genug Essen fehlen und die Familie somit auf etwas verzichten müsste.

Für den Uneingeweihten ist dies natürlich manchmal ziemlich verunsichernd und wir wussten oftmals nicht, wie jetzt die eine oder andere Einladung gemeint war. Vor allem, weil es auch viele Situationen gab, in denen die Leute sich wirklich freuten wenn wir mit Ihnen einen Tee tranken und ein wenig plauderten.

Zwei Erlebnisse diesbezüglich wollen wir euch nicht vorenthalten. Beim Ersten sind wir immer noch nicht sicher, ob wir da richtig reagiert haben. Als wir nämlich eines Tages in einer Sandwichbude Zmittag assen und der Besitzer am Schluss partout kein Geld von uns wollte. Wir wissen, dass dies öfters vorkommt und es eigentlich unsere Aufgabe wäre ihm das Geld aufzuschwatzen. Als er aber nach mehrmaligem drängen unsererseits immer noch kein Geld wollte, haben wir uns halt bedankt und sind gegangen.

Das Zweite war ein bisschen anders. Wie ihr bereits wisst, sind wir einen Tag mit Armin, Mohammed und Zamzam unterwegs gewesen. Es war vor allem für mich eine sehr bereichernde Erfahrung einmal ganz offen mit einer jungen Iranerin zu sprechen. Zamzam habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie war nicht so schüchtern wie andere Frauen denen wir schon begegnet sind und hat fröhlich mitgeplaudert und ihre Meinung auch kundgetan. Nun hatte Sie diesen coolen Rucksack und ich habe ihr dafür ein Kompliment gemacht. Natürlich wusste ich, dass man damit vorsichtig sein sollte, damit das Gegenüber sich nicht verpflichtet fühlt einem das Objekt der Begierde zu schenken. Deshalb habe ich es extra so formuliert, dass Sie es als Kompliment an Ihren Stil auffassen kann. Dann geschah aber das Unerwartete und sie hat mich am Ende des Tages einfach mit einem neuen Rucksack überrascht. Dasselbe Model in einer etwas anderen Farbe. Zuerst war ich verunsichert ob ich das Geschenk annehmen darf, aber das Gesicht von Zamzam hat mir gezeigt, dass Sie mir wirklich einfach eine Freude machen wollte.

Diese Höflichkeit macht das Reisen in Iran sehr angenehm, wenn auch manchmal verwirrend. Wir haben aber den Eindruck erhalten, dass viele Iraner unter dem Bild leiden, dass im Westen über ihr Land vorherrscht. Deswegen freuen sie sich über jede Gelegenheit mit Fremden ins Gespräch zu kommen und ihnen zu erklären, dass man die iranische Regierung und die iranischen Menschen nicht in den gleichen Topf werfen soll. Gerade die jungen, gut ausgebildeten Menschen wünschen sich mehr Freiheiten und sind sehr desillusioniert was ihre persönliche und die Zukunft ihres Landes anbelangt.

Wir wurden unzählige Male gebeten unseren Freunden zu Hause zu erzählen, dass die Iraner gute Menschen seien und sich niemand fürchten müsse nach Iran zu reisen. Diese Ansicht können wir Vorbehaltlos teilen.

2 thoughts on “T’aarof- das System der Höflichkeit

  1. heerjeee – wie gaht’s au „euse“ „chindä“.
    d'(no) anti Blogger händ mal gwagt eui website z’kontaktiere und z’chegge wie eui reis so lauft . . . und sogar en komment z’schriebe.
    ihr chömed ja ganz schön ume und erläbet soo viel. me chenti fascht ächli niedisch werde, uf jede fall chömed de karin all ihri teen’s und twen’s gschichte wieder in sinn – wau, isch das toll gsi !! und so wird’s au eu eines tages gah, die erläbnis chan eu nie und nüt me neh.
    jetzt hämmer’s z‘ Waldhuse fein und gnüssed so richtig d’Wiehnachtsziit (nur de schnee fehlt ä biz). … und „bald“ sind fascht ali „löcher“ gschtopft und mir händ fascht kä lämpä me :-))). ä chlises reisli zwüschedurä wär aber nöd z’verachte – falls, aber nu falls !!! ihr längi ziit händ nach eus ???? chönted mir eu ca. 15-19. jänner i de Schwiz vom mittlere oschte oder im viilschichtige Bollywood churz „träffe“ (münd no äs ticket abfräse – mäldet eus die nächschte zwei tag über em Pämi sis mail, gäll, hoffed ihr chönd’s mal chegge).
    erläbet wiiter vil, nämet’s uf i eues herz, es isch wie en schatz vo ewigem wert ! Papa und Mama Waldhuse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.