Skopje – Stadt der Kolosse

Am Dienstagmorgen sind wir nach einer weiteren nächtlichen Zugfahrt bedeutend später als geplant in Skopje angekommen. Uns war das aber ganz recht, da die Ankunft gemäss Fahrplan eigentlich um 4.30 Uhr gewesen wäre und wir darum einige Stunden hätten überbrücken müssen bis das erste Hostel oder Kaffee geöffnet hätte. Da wir aber erst um 6.30 Uhr am Bahnhof ankamen, konnten wir uns gleich auf die Suche nach einer Unterkunft machen.

Skopje ist die Hauptstadt Mazedoniens (oder wie es offiziell heisst: FYROM – Former Yugoslavien Republic of Macedonia). Obwohl das Stadtgebiet rund 570 km2 umfasst, ist der Stadtkern relativ klein und darum gut zu Fuss zu erkunden. Da wir zwar ein Hostel fanden aber um diese frühe Zeit unser Zimmer noch nicht beziehen konnten, haben wir den ersten Tag damit verbracht, uns wie Clochards auf Bänken in einem der vielen kleinen Pärke auszuruhen. Anschliessend sind wir durch die Strassen geschlendert und haben uns die Kolosse von Skopje angesehen.

Was für imposante Riesen. Sie zieren grosse Teile der Innenstadt und zeigen wichtige Persönlichkeiten der Mazedonischen Geschichte. Fontänen, prunkvolle Brücken, riesige Brunnen, Statuen. Alle diese neuen Monumente wurden durch die Regierung in Auftrag gegeben, um dem Land etwas mehr Identität zu geben und westliche Touristen anzulocken. Das teure Projekt „Skopje 2014“ spaltet das Land zwar eher, als dass es die Menschen verbindet. Trotz allem war es schön zu sehen, wie am Abend die Mazedonier mit ihren Familien zum Macedonia Square kamen. Viele Kinder machten sich ein Spiel daraus, zu sehen wer trockenen Fusses über die Fläche rennen kann, aus der jeden Moment Wasser rausspritzen könnte.

Nightlife
Macedonian Square

Den Nächsten Tag haben wir mit einem lokalen Kaffee und einem Mazedonischen Berliner gestartet. Danach machten wir uns auf, den Bazar und die Altstadt Skopjes zu erkunden. Es ist echt erstaunlich was man an einem Bazar alles findet – sozusagen das Einkaufszentrum der Stadt. Dieser Teil von Skopje hat sich sehr von der herausgeputzten, pompösen Seite unterschieden. Die Leute stehen in ihren Läden, trinken Türkischen Tee mit dem Besitzer des Nachbarladens und springen herbei wenn du vor ihrem Laden stehen bleibst. An diesem Ort hat uns ein albanischer Antiquitätenladenbesitzer von Gjergj Kastrioti Skanderbeg erzählt, dem Albanischen Nationalhelden. Da er nicht so gut Englisch sprach, hat er Block und Stift zur Hand genommen, in Mazedonisch oder Albanisch drauf los gesprochen und uns Jahreszahlen auf den Block geschrieben. Seine Hände haben auch immer wieder dazu beigetragen etwas verständlicher zu erklären und manchmal hat er etwas im Laden hervorgeholt (eine Waffe zum Beispiel) die uns dann auch klar zu verstehen gab, um was es geht (Krieg).

In der Nähe von Skopje, südwestlich der Stadt, liegt der Matka Canyon. Ein Canyon mit Stausee, der als Energiequelle und Touristenattraktion gilt. Auf unserem Ausflug dahin hatten wir wunderschönes Wetter. Es war auch wieder einmal schön etwas Zeit in der Natur zu verbringen, ein kühlendes eisiges Bad im See zu nehmen und einfach mal wieder auf weichem Waldboden zu laufen. Da es sich um eine Touristenattraktion handelt haben wir damit gerechnet, dass es überall die Möglichkeit gibt Wasser zu kaufen. Leider haben wir uns dann überraschenderweise nur mit zwei kleinen, halb Liter Flaschen eindecken können. Gegen Ende des Tages wurde unsere Wanderung dann doch noch eher ungemütlich, da wir langsam aber sicher ziemlichen Durst hatten. Weil wir aber denselben Weg hin und zurück gelaufen sind, konnten wir einigermassen gut einschätzen, wann wir wieder beim Restaurant ankommen würden.

Obwohl, oder vielleicht gerade weil wir keine Erwartungen an Skopje hatten, hat uns die Stadt ziemlich gut gefallen. Der alte Stadtteil mit dem Bazar und den vielen kleinen Läden gab uns einen ersten Vorgeschmack auf den Orient. Aber die teils protzigen pompösen Monumente im neueren Stadtteil haben uns eher abgeschreckt. Darum fühlen wir uns nun bereit nach Tirana zu reisen, von dem wir wissen, dass die Spuren der sozialistischen Diktatur Hoxhas noch immer gut sichtbar sind.

2 thoughts on “Skopje – Stadt der Kolosse

  1. Hallo ihr Lieben!
    Immer wieder spannend, eure Reise mitzureisen. Vielen herzlichen Dank für die spannenden Einblicke und Hintergründe. Irgendwie habe ich den Eindruck, ihr seid noch sehr schnell unterwegs 😉 Die „Entschleunigung“ kommt sicher noch…. vielleicht noch mehr im Osten? Eben: driftingeast!
    Wünsche euch viele tolle Begegnungen und grüsse und umarme euch!

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