Sikkim, nah am Himmel

Der kleine Staat Sikkim liegt ganz im Nordosten Indiens, eingequetscht zwischen Nepal, Tibet und Bhutan. Das buddhistische Königreich war bis in die 60er Jahre des 20. Jh. komplett unabhängig und wurde erst 1975 aufgrund der strategisch wichtigen Lage von Indien annektiert. Obwohl Sikkim mittlerweile ein vollwertiger Staat ist, brauchen Ausländer immer noch eine spezielle Bewilligung um in diese Gegend reisen zu können. Uns hat vor allem die Aussicht auf Wanderungen abseits der Touristenströme dorthin gelockt.

In Varanasi habe wir glücklicherweise Brandon kennengelernt, ein Amerikaner, dessen Verlobte in Tashiding ein Homestay führt. Er hat uns mit wichtigen Infos betreffend Anreise und Beschaffen der Einreisebewilligung versorgt und uns von Bumchu, einem der wichtigsten religiösen Festivals Sikkims erzählt. Dieses alljährliche Wasserfest zieht Buddhistische Pilger aus der ganzen Himalajaregion nach Tashiding und fand dieses Jahr am 21. Februar statt. So haben wir uns entschieden als Erstes nach Tashiding zu reisen und uns dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen.

Die wunderschöne Gompa (Kloster) liegt auf einem Berg oberhalb des Dorfes Tashiding und ist der Schauplatz der Festlichkeiten. Während jedem Jahr wird eine bestimmte Menge Wasser an einem heiligen Ort im Kloster aufbewahrt. Beim Bumchufest wird dann das Wasser wieder hervorgeholt und je nachdem ob der Wasserstand im Gefäss gestiegen oder gesunken ist, glauben die Lamas (buddhistische Mönche) voraussagen zu können, ob das nächste Jahr gut oder schlecht wird.

Als wir am Ort des Geschehens ankamen, glich der ganze Klosterbereich einem grossen Zeltlager und Jung und Alt sassen gemütlich beisammen. Uns hat vor allem beeindruckt, wie ruhig und gut organisiert alles war. Nach mehr als zweieinhalb Monaten indischem Chaos war es erfrischend diese Familiäre, friedliche Stimmung zu geniessen.

Für uns ging es in den folgenden Tagen gleich so entspannend weiter. Unsere erste Wanderung führte uns zu einer natürlichen heissen Quelle, den Gangyap Tatopani in einem abgelegenen, engen Flusstal. Wir wurden von unseren Gastgebern auf eine anspruchsvolle, vier bis fünfstündige Wanderung vorbereitet. Als wir dann nach knapp drei Stunden Marsch durch wunderschöne Rhododendronwälder am Ziel ankamen, konnten wir erfreut feststellen, dass wir wohl doch noch nicht ganz ausser Form geraten sind 😉 . Bei diesen heissen Quellen konnten wir endlich wieder einmal unser Zelt aufschlagen und haben drei wunderschöne Tage in der Natur genossen. Täglich ein bis zwei Bäder im heissen Naturjacuzzi, danach Faulenzen im Schlafsack, lesen oder aus Bambus irgendwelche Dinge basteln. Und zum Znacht Reis und Gemüse bei einer der ansässigen Familien… Wellness für Budgetreisende!

P1070718.JPG
Bambusbrücke bei den heissen Quellen

Nach diesen friedlichen Tagen in der tiefergelegenen Region Westsikkims zog es uns in die Höhe. Und hoch hinaus kann man in Sikkim! Der dritthöchste Berg der Welt, der Kanchendzonga, befindet sich im Nordwesten des Staates. Da dieser Berg aber für die Sikkimesen heilig ist, ist es nicht möglich Ihn von dieser Seite her zu besteigen (das nur als Info, nicht dass wir es sonst versucht hätten 🙂 ). Wir wollten aber trotzdem ein richtiges Himalaja Erlebnis und haben dafür in Gangtok, der Hauptstadt, mit zwei anderen Touristen zusammen eine dreitägige Tour nach Nordsikkim organisiert. Wegen der Nähe zur Chinesischen Grenze ist das mit weiteren Formalitäten verbunden und für Ausländer nur mit einem Guide möglich. Der ganze Aufwand hat sich aber gelohnt.

Wir kamen zwar nicht ganz so viel zum Wandern, sondern waren hauptsächlich im Jeep unterwegs aber unser Guide Binodh, ein Nepali, hat die ganze Tour super gemanaged. Am zweiten Tag fuhren wir zum Zeropoint, dem nördlichen Ende der Strasse auf rund 4700 m ü. M. Von dort aus unternahmen wir einen kleinen Spaziergang zu einem nahegelegenen Hochtal. Obwohl nur circa 300 Höhenmeter zu überwinden waren, kamen wir doch ziemlich ausser Atem und haben die Höhe gespürt. Am Abend beim lokalen Hirsebier meinte Binodh dann verschmitzt: „Aus euch könnten mit etwas Übung noch ganz akzeptable Wanderer werden…“. Na dann wollen wir hoffen, dass wir auf unserer Reise noch etwas zum Üben kommen. Nebst seiner Tätigkeit als Führer hat Binodh uns zudem noch mit Köstlichkeiten wie Yakfleischsuppe oder Tsampa (ein Brei aus Tee, Mehl und Yakbutter) verköstigt.

Auf dem Rückweg kamen wir genau zum Zeitpunkt des täglichen Gebets bei einem Kloster vorbei. Da wir bekanntlich keine Buddhisten sind, wussten wir zuerst nicht recht, ob wir bei dieser Zeremonie willkommen sind. Aber ein uralter Mönch hat uns dann sofort eingeladen Platz zu nehmen und dem Singsang der Mantras zuzuhören. Mitzuerleben wie rund 50 Mönche, vom kleinsten Jungen bis zum blinden Greis, ihre Mantras murmeln und dabei gesalzenen Tee zu trinken war ein sehr eindrückliches Erlebnis.

Buddhistische Mönche bei der täglichen Zeremonie

Nach einigen Tagen in Gangtok, wo es übrigens hervorragenden Cappuccino gibt, mussten wir dann auch schon wieder Abschied nehmen von diesem versteckten Paradies namens Sikkim. Unser Indienvisum läuft schon bald ab und wir müssen unsere Weiterreise planen. Deshalb heisst unsere nächste Destination Kolkata, drückend heiss und laut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.