Nihao China

Vor gut zehn Monaten hat unsere Reise in der Schweiz begonnen. Nun haben wir uns ja entschieden langsam den Nachhauseweg anzutreten, und zwar via China. Nihao!

Wenn man gerne rechnet, könnte man sich jetzt überlegen, dass wir vielleicht wieder etwa zehn Monate unterwegs sein werden. Wir rechnen aber nicht mehr, denn beim Grenzübertritt nach China haben wir auf die harte Tour herausgefunden, dass Zeitrechnen nicht unbedingt unsere Stärke ist…

Eigentlich hat der Tag ganz gut angefangen. Der Tukutukfahrer, mit dem wir uns in Luang Namtha verabredet haben, war zwar nicht am Treffpunkt, dafür fanden wir ein anderes Tuktuk, welches uns für denselben Preis zum Busbahnhof brachte. Wir konnten sogar noch zwei super leckere Eiersandwiches kaufen und waren somit gewappnet für eine lange Busfahrt. Der Bus liess nicht lange auf sich warten, das Gepäck wurde verstaut und los ging die Fahrt. Die erste Herausforderung war das Eintragen auf der Passagierliste. Von einem Schwall chinesischer Worte begleitet, drückte uns der Fahrer diese in die Hand und überliess uns unserem Schicksal. Natürlich sprach von den anderen Fahrgästen niemand English und wir hatten keine Ahnung wo jetzt unser Name und wo die Nationalität eingetragen werden musste. Mit Händen und Füssen erklärte uns dann ein freundlicher Passagier wie es genau sein muss, und unserem Grenzübertritt stand nichts mehr im Wege. Dachten wir…

An der laotischen Grenze stieg eine Polizistin in den Bus ein um alle Pässe zu kontrollieren. Leider hat sie unsere beiden Pässe zuerst lange stirnrunzelnd begutachtet und dann kurzerhand eingepackt. Nachdem sie die Pässe einigen ihrer Kollegen gezeigt hatte, forderte sie uns auf mitzukommen. Bald darauf sassen wir im Büro des Oberpolizisten, welcher uns erklärte unsere Pässe seien abgelaufen. „Aber nein mein Herr, das kann nicht sein, sehen Sie hier, die sind noch bis 2017 gültig,“ erklärten wir zuversichtlich. Als er aber auf das Einreisevisum deutete, erschraken wir  dann doch kurz. Wir hätten einen Tag zuvor ausreisen müssen, unser Visum war abgelaufen.

Ganz klar stand es da im Pass – ein Blick in das kleine rote Büchlein hätte genügt. Wir dachten, da wir am 4.6 in Laos eingereist sind und 15 Tage im Land bleiben dürfen, ginge die Rechnung so: 4 +15 =19. Voilà, am 19.6 müssen wir also ausreisen. Aber nein, ganz so einfach ist das halt nicht, der 4.6 galt ja auch schon als Tag in Laos und somit hätten wir am 18 raus gemusst…

Die ganze Sache war nicht wirklich schlimm, nur verhältnismässig teuer. Nachdem wir 10 USD pro Person und Tag bezahlt hatten,  durften wir weiter. Natürlich hat während der ganzen Zeit unser Bus mit allen Mitreisenden auf uns gewartet.

Also, die laotische Seite der Grenze war somit erledigt und unser Visum für China hatten wir ja im Pass. Es sollte nun also keine weiteren Probleme mehr geben.

Bei der Einreise in China wurde natürlich unser Gepäck geprüft. Sorgfältig öffneten die Beamten unsere Rucksäcke, wobei wir versuchten, uns so tadellos wie möglich zu benehmen. Freundlich Nihao sagen, Reissverschlüsse hilfsbereit öffnen, ruhig stehen bleiben und natürlich lächeln. Als nun einer der Männer in Pams Handgepäck ihre Bibel entdeckte, ein Buch welches im Reich der Mitte nicht so gerne gesehen wird, wurde uns gleich ein bisschen mulmig. Aber nach kurzem Durchblättern meinte der Beamte, es sei schon Ok, und wir konnten einreisen. Phuu!

Weiter ging nun die Fahrt bis nach Jinghong wo wir gleich den Nachtbus nach Kunming buchten. Die Nacht im Bus war relativ unspektakulär und sogar recht angenehm. In Kunming kamen wir am Morgen früh an, und doch war schon der Bär los am Busbahnhof (wir lernten später, dass in China eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit der Bär los ist). Aus folgenden Gründen war die Ankunft in Kunming für uns eine ganz neue Erfahrung:

  1. Wir hatten keinen Reiseführer.
  2. Alles ist mit chinesischen Schriftzeichen angeschrieben. (Logisch, wir sind ja auch in China.)
  3. Es spricht wirklich niemand Englisch.
  4. Google Maps funktioniert nicht. (Ohne VPN funktioniert eigentlich überhaupt nichts online.)
  5. Wir hatten immer noch keinen Reiseführer!


Wir wussten nicht wo wir sind, nicht wo wir hinmüssen und nicht wie wir dorthin kommen. Da wir wahrscheinlich ziemlich abgekämpft aussahen und erst noch mit einem Schweizer Taschenmesser bewaffnet waren, liess man uns auch nicht in die U-Bahn. Es war richtig mühsam.

Glücklicherweise haben wir einen McDonalds gefunden der uns Kaffee verkaufte. Es half sehr. Natürlich funktionierte das Internet aber auch dort nicht und wir waren so Informationslos wie zuvor.

Schlussendlich waren wir froh, hatten wir mal irgendwo gelesen, dass man mit dem 71er Bus ins Zentrum fahren kann. Nun galt es einfach noch die Nummer 71 auf ein Stück Papier zu schreiben und sich, natürlich freundlich lächelnd, durchzufragen wo dieser Bus hält. Das hat dann schlussendlich  auch geklappt und wir waren auf dem Weg zur Innenstadt.

Eine Unterkunft zu finden war noch ein weiteres Abenteuer. Wir machen jetzt aber hier Schluss, sonst werdet ihr vom Lesen noch so müde wie wir zu diesem Zeitpunkt waren…

Auf jeden Fall waren das mal wieder zwei aufregende Reisetage, die uns, wenn auch erst nach einer langen Dusche, in guter Erinnerung bleiben werden.

2 thoughts on “Nihao China

  1. So, ihr zwei Lieben, ich staune und bewundere eure Kraft und euer Abenteuerfieber, das – so scheint es für mich – nicht so schnell gebremst werden kann!!
    Super, macht weiter so bis ihr wieder da seid.
    Auch hier bei uns hat es ab und zu mal einen Polizisten, der es genau wissen will (hmm, nicht mit dem von euch zu vergleichen!)
    Ganz herzlich grüsst euch
    Elsbeth

    1. Liebe Elsbeth
      Im Moment nehmen wir es etwas gemütlicher und sind für die nächsten zwei Wochen sesshaft. Wir freuen uns schon wieder auf die schweizer Polizisten. 🙂
      Liebe Grüsse aus Bishkek

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