Mingalaba! – und eine Bootstour auf dem Chindwin

Es hat uns gefehlt, das Neue, das uns nach jedem Grenzübergang wieder begegnet. Nach drei Monaten in Indien mussten wir uns in Myanmar wieder neu orientieren. Es galt herauszufinden, wo und wie wir Internetzugang erhalten, an was wir eine gute Unterkunft erkennen und was Poulet auf Myanmarisch heisst. Alle diese Fragen und Unklarheiten machen die Ankunft in einem neuen Land immer zu etwas Spannendem. Die Menschen in Myanmar sind sehr freundlich, hilfsbereit und haben oft ein Lächeln im Gesicht. Das machte uns den Einstieg hier besonders einfach und wir haben Land und Leute bereits sehr gern.

Von Tamu, der ersten kleinen Stadt gleich an der Grenze, ging unsere Reise per Minibus nach Kalemyo wo wir einmal übernachteten. Von dort fuhren wir mit einem Lieferwagenbus nach Kalewa, einem kleinen Dörfchen, direkt am Fluss Chindwin. Die Ladefläche des kleinen Busses wurde wohl extra vollgestopft, damit wir Touristen in der bequemen Fahrerkabine Platz nehmen konnten.

Auf dem Chindwin River
Den Hafen in Kalewa würden wir eher als ein Ufer mit vielen Bambushütten bezeichnen, aber das Treiben war genauso geschäftig und für uns noch spannender als an einem „richtigen“ Hafen. Das Ticket für unsere Weiterreise per Boot auf dem Chindwin hatten wir, dank Zeichnungen und wenigen englischen Brocken, relativ schnell in der Tasche. Nachdem unser Gepäck beim Ticketoffice deponiert war,  konnten wir den Tag geniessen. Am späten Nachmittag fuhr unser Schiff ein und wurde gleich einmal von zwei Booten mit ungeduldigen Passagieren geentert. Die besten Plätze waren somit besetzt. Wir haben uns für die erste Klasse entschieden und hatten deshalb eine metallene Schlafbox reservierte Kabine für uns. In kleineren Booten fuhren Händler zum Schiff, um die Passagiere mit Mahlzeiten, Snacks und Getränken zu versorgen und schon bald ging die Fahrt los.
Da wir im Moment Trockenzeit haben, hatte der Chindwin eher wenig Wasser, weshalb oft jemand mit einem Bambusstock die Tiefe messen musste und der Kapitän sorgfältig manövrierte. Den ganzen Abend sind wir auf der Reling vor unserer Kabine gesessen und haben ein Bier genossen, während wir immer mal wieder einen Blick auf die untergehende Sonne erhaschten.

Ein unerwartetes Frühstück
Am nächsten Morgen kamen wir in Monywa an. Nachdem wir unsere Weiterreise organisiert hatten, kam schon das nächste coole Erlebnis. Wir machten uns auf die Suche nach der bemerkenswerten Pagoda und der Buddha Statue, die uns von zwei anderen Reisenden empfohlen wurden. Stattdessen fanden wir eine lange Prozession schön gekleideter, fröhlicher Menschen, die drei gelb gekleidete Kinder auf Sänften trugen. Nach zögernden Fragen unsererseits wurden wir von einem Mönch mit einem freundlichen Nicken aufgefordert, durch ein grosses Tor in den Innenhof zu gehen. Es ging nicht lange und man hat uns entdeckt. Tatsächlich, wir sind auch nach sieben Monaten reisen noch immer als Touristen auszumachen! Eine riesige Menschenmenge war auf dem Platz versammelt und wir wurden sofort von einer freundlichen, festlich gekleideten jungen Frau ins Innere einer grossen Halle gebeten. Alles war dekoriert mit farbigen Tüchern, auf einer Bühne waren drei goldene Stühle für die drei Kinder aufgestellt und rundherum gab es niedrige Tische an denen die Leute kniend assen. Wir setzten uns, erhielten unsere Portion Reis und durften uns am Hühnchen und Gemüse bedienen. Als wir fertig gegessen hatten führte uns unsere Begleitung hinaus und wir wurden noch zum Glacé essen genötigt. Morgens um 7.30 Uhr! 😉 Etwas später haben wir dann herausgefunden, dass dies ein traditionelles Fest ist. Jeder männliche Buddhist (für Mädchen ist es freiwillig) in Myanmar verbringt zwischen seinem zehnten und zwanzigsten Lebensjahr einige Zeit im Kloster. Wir waren also an einem Abschiedsfest für diese Kinder.

Die Freundlichkeit der Menschen, auch wenn Sie einem nicht immer weiterhelfen können, macht das Reisen in Myanmar sehr angenehm. Ein einfaches Mingelaba zaubert auch im Vorbeigehen ganz schnell ein Lächeln in ein Gesicht. Wir geniessen dieses Land in vollen Zügen!


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