Marschrutka und Elektritschka

Innerhalb der Georgischen Landesgrenze gibt es drei, offiziell autonome, Regionen welche nicht durch die Regierung in Kutaissi verwaltet werden. Zwei dieser Regionen, Südossetien und Abchasien, kennt man aus den Medien und können nicht besucht werden. Die dritte autonome Region, Adjara, liegt an der Grenze zur Türkei, weshalb uns unser Weg dorthin führte. Batumi, die Hauptstadt von Adjara liegt an der östlichen Schwarzmeerküste und war schon zu Zeiten der Sowjetunion eines der Ferienziele der Sowjetischen Elite. Auch heute noch zieht Batumi in den Sommermonaten Horden von reichen russischen und georgischen Touristen an. Vor allem im Stadtzentrum säumen schön herausgeputzte Plätze und Häuser, edle Bars und hübsche Cafés die Strassen. Da wir nicht mehr in der Saison dort waren, fanden wir die Gassen aber menschenleer vor und hatten die Stadt beinahe für uns alleine.

Die Temperatur in Batumi war zwar mit knapp 20°C noch angenehm, aber da es meistens bedeckt war oder regnete haben wir dann doch auf das Baden im Meer verzichtet. Die Zeit in Batumi haben wir aber vor allem investiert, um uns an das neue Land zu gewöhnen.

Nach der ruhigen Zeit in Batumi folgten einige Tage an denen wir täglich eine kleine Strecke reisten und jede Nacht in einem anderen Hostel verbrachten. So fuhren wir von Batumi mit dem Zug nach Kutaissi, dann mit der Marschrutka (Minibus-Sammeltaxi) nach Borjomi, von dort mit dem Zug nach Gori und Schlussendlich erreichten wir mit dem Bus die Hauptstadt Tbilissi.

Nach Kutaissi wollten wir vor allem wegen der in der Nähe gelegenen Klosteranlage Gelati. Bei unserem Besuch dort waren wir zwar beeindruckt von der Grösse der Kirche und der schönen Lage des Klosters, wir wussten aber damals noch nicht, dass wir in Georgien und Armenien noch viel eindrücklichere Kirchen und Klöster sehen würden. Nichtsdestotrotz war es spannend, da wir dort unsere erste georgische Hochzeit erlebten. Im Nachhinein gesehen hätten wir uns diesen Ausflug aber sparen können.

Bereits am Tag darauf ging unserer Reise weiter nach Borjomi, dem Ferien- und Kurort der Zarenfamilie Romanow. In Borjomi befindet sich eine Mineralwasserquelle, von welcher früher Wasser ins ganze Russische Reich exportiert und in Apotheken verkauft wurde. Natürlich haben wir das berühmte Wasser einer Kostprobe unterzogen und müssen sagen, dass wenn es so sehr gesund ist wie es stinkt, dann werden wir auf dieser Reise nie krank. Aber Borjomi ist auch für Besucher ohne gesundheitliche Leiden einen Besuch wert. Die zerfallenden Prachtbauten aus der Zarenzeit, das Antike Seilbähnchen und die schöne Berglandschaft machen diesen Ort zu einem lohnenswerten Ausflugsziel.

Von Borjomi fuhren wir für 50 Rappen pro Person mit der Elektritschka nach Gori. Diese 5 stündige Bahnfahrt durch die Herbstwälder Südgeorgiens war entgegen allen Vorhersagen sehr angenehm, wenn auch viel Länger als wenn wir die Marschrutka genommen hätten.

Nach Gori zog uns vor allem der Sohn eines georgischen Schuhmachers, welcher sich später der „Stählerne“ nannte. Das Stalinmuseum war total verrückt. In dem Palast mit breiten Marmortreppen, rotem Samt und Kristallleuchtern wird Stalin noch genauso präsentiert wie während den „besten Tagen“ der Sowjetzeit. Von seiner Kindheit bis zum Tode werden alle Heldentaten dieser Ikone der Menschlichkeit im Detail beschrieben und dabei kein Wort über die unzähligen Opfer seiner Politik verloren. Für uns als nichtbetroffene war es spannend diesen Blick in die Vergangenheit machen zu können. Für viele wäre es aber wohl noch immer ein aufreissen alter Wunden.

Nach diesen recht anstrengenden Tagen waren wir froh, als wir schlussendlich in Tbilissi ankamen, nach einigem Suchen unser Hostel fanden und sahen, dass wir direkt neben den berühmten Thermalbädern wohnten. Wie abhängig unserer Laune vom Wetter war haben wir erst in Georgien so richtig gemerkt. Oft war es im Landesinneren Bedeckt und kühl, was zeitweise recht auf unsere Stimmung drückte. Ein heisses Schwefelbad war da genau das richtige, um uns zu entspannen und auf das Entdecken der Stadt einzustimmen.

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