Liebe auf den zweiten Blick

Die ehemalige Sowjetrepublik Georgien liegt eingebettet zwischen dem Grossen und dem Kleinen Kaukasus und dem Schwarzen Meer. Im Osten bildet der Fluss Alazani die Grenze zu Azerbaidschan.

Als Gott den Menschen die Länder verteilte, kamen die Georgier zu spät. Anstatt traurig zu sein, weil sie nun kein Land erhielten, begannen die Georgier zu singen und zu tanzen. Das gefiel Gott und er gab ihnen das Land, welches er eigentlich für sich vorgesehen hatte. Georgische Legende

Aufgrund dessen was wir im Voraus über Georgien wussten, hatten wir relativ hohe Erwartungen an das Land. Gutes Essen, freundliche Leute, angenehmes Wetter, und so weiter.

Umso grösser war der Kulturschock als wir am Grenzübergang in Sarpi einreisten. Ein riesiges Chaos aus Autos, Matsch, Hunden, Abgasen, Lärm, Gemüse und schreienden Taxifahrern. Darüber ein dichter Vodkadunst und fertig ist das Willkommenskomitee. Die ersten Tage waren relativ hart, bis wir wussten, wie es so läuft in diesem Land. So haben wir zum Beispiel mehr als einmal Lehrgeld bezahlt, weil wir an Minibusfahrer geraten sind, welche eine sehr kreative Art hatten ihre Preise zu gestalten. Eine weitere Schwierigkeit war es, eine Unterkunft zu finden. Nicht weil es keine preiswerten Hostels gab, sondern weil es anscheinend üblich ist die Hostles möglichst gut zu verstecken, kein Schild anzubringen und den Nachbarn nichts darüber zu erzählen. Zudem sind die Georgier so freundlich, dass sie dir den Weg zum Hostel beschreiben, egal ob sie wissen wo es ist oder nicht. Darum war es am Anfang normal, dass wir jeweils rund 5 bis 6 Mal am richtigen Ort vorübergingen, bis wir merkten, dass wir jetzt da sind.

Ok, das gibt jetzt vielleicht ein bisschen ein negatives Bild dieses Landes. Das wäre falsch, da es uns schlussendlich sehr gut gefallen hat.

Die Leute SIND sehr freundlich. Als wir auf dem Rückweg von Gelati nach Kutaissi waren, hat uns ein georgisches Ehepaar eingeladen mit ihnen im Auto mitzufahren, ohne dass wir „Gstöpplet“ haben.

Das Essen IST sehr gut. Ojakuri und Ostry sind fantastisch. Kann man nicht beschreiben, muss man probieren.

Das Wetter IST – Tja, man ist wohl selber schuld wenn man im Oktober in den Kaukasus reist und es dann kalt ist.

Einmal hatten wir das Glück eine der vielen Kirchen zu besichtigen, als gerade eine orthodoxe Hochzeit stattfand. Glücklicherweise funktioniert auch das anders als bei uns. In Georgien ist es normal, dass die Gäste während der Zeremonie ungestört kommen und gehen, Selfies machen und vor der Kirche rauchen. Darum störte es auch niemanden, als wir einige Zeit in der Kirche waren und der Zeremonie zuschauten. Im Gegenteil, als wir bereits wieder gehen wollten, entstand ein Gespräch mit zwei georgischen Hochzeitsgästen welche uns noch einige hilfreiche Tipps für Sehenswürdigkeiten mit auf den Weg gaben.

Georgien und die Georgier haben uns gefallen, übervorteilt, traurig gemacht und überrascht. Vor allem auf dem Land ist die Armut allgegenwärtig und manch einer hat seinen selbstgebrannten Chacha wohl ein bisschen zu gern. Aber die schönen Berge des Grossen Kaukasus, das feine Essen und die vielen sehr tollen Begegnungen trösten schnell über das eine oder andere negative Erlebnis hinweg. We like!

3 thoughts on “Liebe auf den zweiten Blick

  1. Hoi zäme
    Schön, dass die Eisenbahn nicht nur ein billiges Verkehrsmittel ist, sondern auch noch herrliche Erlebnisse bietet 🙂
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Spass
    Thomas

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