Lada Niva Abenteuer in Kirgistan

Ja es stimmt, wir haben wirklich einen Lada Niva gekauft. Oder besser formuliert, wir haben das Geld nicht für ein Auto, sondern viel mehr für ein zweienhalbwöchiges „Lada Niva Abenteuer“ ausgegeben.

Lada Niva kaufen

Als wir eines Abends ziemlich frustriert von einem weiteren Besuch bei der uzbekischen Botschaft zurückkehrten, wartete Fieps vor unserem Hostel. Himmelblau, schon etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch ziemlich attraktiv stand sie (wir sprechen hier vom Auto) da. Als wir eintraten, trafen wir die zwei holländischen Noch-Besitzer. Sie waren gerade dabei in verschiedenen Hostels Inserate aufzuhängen und fragten uns spasseshalber, ob wir den Niva kaufen wollten? Wir schauten uns an und wussten ohne ein Wort zu wechseln (wir können das jetzt), dass der Andere interessiert ist.

So eine wichtige Entscheidung will aber gut überlegt sein. Deshalb dauerte es sicher 15 Minuten bis wir uns entschlossen dem Auto eine Chance zu geben. Nach einer kurzen Testfahrt, bei welcher der Motor zuerst zwar nicht ansprang, dafür aber danach ziemlich gut lief, entschieden wir uns Kirgistan im eigenen Lada zu erkunden. Fieps ist zwar schon 35 Jahre alt, ein Fenster ist mit Panzertape zugeklebt und es klappert nicht nur der Dachträger. Dafür war sie günstig und das Panzertape sowie eine Rolle Draht waren im Preis inbegriffen.

Lada Niva fahren

Wir kamen ziemlich bald zum Schluss, dass wir irgendwelche Lautsprecher im Auto brauchen um Musik zu hören. Einerseits weil es Spass macht, andererseits aber vor allem um all das Klappern übertönen zu können. Vielleicht stehen unseren Automechanikerfreunden zu Hause jetzt die Haare zu Berg aber abgesehen von einigen Kleinigkeiten machte uns Fieps keine Probleme. Einmal funktionierte die Geschwindigkeitsanzeige nicht mehr, einmal waren einige Kabel im Motor durchgebrannt, aber alle diese Problemchen führten zu spannenden Begegnungen mit Locals.

Speziell gefreut haben wir uns über die Niva Geschichten die uns einige Leute erzählt haben. Einmal erfuhren wir von unserem Gastgeber, dass in der Sowjetzeit alle Jungs von einem solchen Auto träumten. Allerdings erhielten nur die wichtigsten Personen einen Niva zugeteilt, weshalb es für die meisten ein Traum blieb. Mehr als einmal wurden wir gebeten die Motorhaube zu öffnen, worauf alles genau unter die Lupe genommen wurde und die Betrachter verträumte Augen kriegten.

Mit dem eigenen Auto war es auch kein Problem Dinge zu unternehmen, die sonst eigentlich nur mit einer organisierten Tour machbar wären. So fuhren wir zum Song Köl See, wo wir in einer Jurte übernachteten, campierten auf irgendwelchen Alpenweiden (Jailoos), wo wir in der Nacht von einer Herde halbwilder Pferde geweckt wurden und testeten die Grenzen von Fieps Offroadtauglichkeit aus.

Auf einer abgelegenen Strecke zwischen Kazarman und Jalalabad blieben wir einmal beinahe liegen. Man muss wissen, Fieps ist erstens sehr durstig und zweitens stimmt die Tankanzeige nur beim Geradeausfahren. Als wir nun auf dem Weg zu einer Passhöhe waren, begann das Warnlämpchen zu leuchten. Die Stimmung im Auto sank beträchtlich. Einige Zeit lang konnte ich das Problem lösen, indem ich nur bei Linkskurven auf die Tankanzeige sah, dann zeigte sie nämlich immer „voll“ an. Trotzdem waren wir erleichtert, als wir die Passhöhe erreichten und die Strasse ein benzinsparendes Gefälle bis ins nächste Dorf aufwies.

Lada Niva verkaufen

Als wir nach rund zwei Wochen Osh erreichten, waren wir ein wenig traurig uns wieder von Fieps trennen zu müssen. Glücklicherweise fanden wir schon am zweiten Tag in Osh einen potentiellen Käufer. Ein älterer Herr, der in schönster Boratmanier verkündete das Auto sei „very nice“ und er würde es kaufen. Nach unzähligen Tassen Tee, verschiedenen gegenseitigen Geschenken und harten Verhandlungen konnten wir uns auf einen Preis einigen und Fieps wechselte den Besitzer.

Die Zeit mit unserem Lada Niva war meistens staubig, oftmals holperig und manchmal Nervenzerreibend. Aber sie war auch immer wieder mit atemberaubenden Momenten verbunden. Es war ein ganz neues Gefühl von Freiheit und wir hoffen, wir gewöhnen uns schnell wieder an die Alternative. Die nächste Station heisst Uzbekistan, wo wir wieder mit Zug und Marshrutki unterwegs sein werden.

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