Tibetanische Mönche und das Ende der Zivilisation

Xiahe oder auch Siachäe, wie es die Einheimischen ausgesprochen haben, ist weit bekannt für eines der grössten tibetanischen Klöster und dessen Klosterschule. Die Labrang Monastry war der perfekte Ort um ein bisschen tibetanische Kultur zu schnuppern. Danach verliessen wir den buddhistischen Teil Chinas und zogen weiter nach Westen. In Jiayuguan steht das westlichste Fort der Chinesischen Mauer. Dieser Ort markiert die antike Grenze der zivilisierten Welt, westlich von Jiayuguan beginnt das Barbarenland. Wir freuen uns schon…

Labrang Monastery in Xiahe

Die Klosteranlage erstreckt sich über ein Gebiet von mehr als 86 Hektare. Um das ganze Gebiet herum zieht sich ein überdachter Korridor, welcher tausende der sogenannten Gebetsmühlen enthält. Diese drehbaren Zylinder werden von den Gläubigen bei der rituellen Umrundung des Klosters in Bewegung gesetzt. Das Ziel dabei ist, dass sich die Gebete, welche auf die Gebetsmühlen geschrieben sind, durch diese Bewegung auf alle Lebewesen in der Nähe auswirken.

Wir sind eine Weile der Mauer entlanggelaufen und haben die Leute bei dieser religiösen Handlung beobachtet. Einige der Gläubigen haben den Mühlen im Vorbeigehen fast beiläufig einen Schups gegeben, als wenn sie diese „Aufgabe“ noch rasch vor der Arbeit erledigen möchten. Andere haben sich zusätzlich zum kräftigen anstossen der Räder noch alle paar Meter niedergekniet oder sogar auf dem Boden ausgestreckt.

Die Atmosphäre im Kloster selber war manchmal sehr geschäftig da einige Gebäude renoviert wurden. In anderen Tempeln fanden gerade irgendwelche Zeremonien statt und an einem Ort konnten wir den Novizen beim Üben mit den heiligen Instrumenten zuhören.  Vor allem haben wir aber den Ausblick vom Hügel am Rande der Labrang Monastry über das ganze Gebiet genossen. Die Gebäude gefallen uns sehr gut, mit den dunkelroten Wänden, goldenen Dächer und den vielen Holzschnitzereien.

In Xiahe sind wir dann noch etwas durch die kleinen Läden an der Hauptstrasse geschlendert. Dort findet der buddhistische Mönch alles was sein Herz begehrt. Vom Stoff für die Mönchsrobe, über antike Handgebetsmühlen bis hin zu Malas (Gebetsketten) aus speziellen Nüssen kann man hier alles erstehen.

Übernachtet haben wir hier in einem alten Gasthaus, welches von einer tibetanischen Familie geführt wird. Das Zimmer war eines der coolsten das wir je hatten. Wir denken, dass die Zellen der buddhistische Pilger im Kloster jeweils etwa so aussehen.

Unser Zimmer in Xiahe
Unser Zimmer in Xiahe

Jiayuguan

Nach unserem 300sten Tag auf Reisen, den wir vor allem am Bahnhof von Lanzhou mit Warten verbracht haben, sind wir am nächsten Morgen in Jiayuguan angekommen. Jiayuguan galt früher als der letzte (bzw. erste) Aussenposten des chinesischen Reiches. Hier steht das westlichste Fort der Grossen Chinesischen Mauer, also die letzte Festung, welche China von den nomadischen Stämmen Zentralasiens trennte.

Es war spannend die renovierte Festung zu erkunden. Man kann sich hier auf die äusserste Mauer stellen, Richtung Westen blicken und sich vorstellen, wie verloren sich hier wohl ein chinesischer Wachsoldat gefühlt haben muss. In westlicher Richtung kann man im Dunst nur noch ein paar feine Linien von Bergzüge ausmachen. Danach kommt die unwirtliche Wüste.

Nach einer kurzen Wanderung auf der renovierten Mauer, bei der wir uns vorstellten, wie die sich die Mauer tausende von Kilometer weit erstreckt, und was dieses Bauwerk wohl schon alles gesehen hat, statteten wir dem Museum einen Besuch ab. Das Museum beantwortet genau diese Frage, nämlich welche Schlachten wann und wo entlang der Mauer geschlagen wurden. Uns schien es, als ob es Bestrebungen gäbe, die Mauer wieder ganzheitlich zu renovieren. Für viele Chinesen ist sie wohl etwas, mit dem sie sich identifizieren, etwas das die Grösse Chinas zeigt.

Nach diesem letzten Aufenthalt im „richtigen“ China ging unsere Reise weiter nach Westen. Wir freuten uns wieder auf muslimische Länder, Schaschlik und all die anderen Wunder der Seidenstrasse.

 

2 thoughts on “Tibetanische Mönche und das Ende der Zivilisation

  1. Hoi zäme, hab grad den ganzen Blog durchgelesen bzw. überflogen, tönt unglaublich toll! Gerade beim Iran sind viele Erinnerungen hochgekommen, und sonst ist das Ganze natürlich extrem inspirierend! Geniesst es weiterhin, werde eure Reise gerne weiterverfolgen. Wir machen uns morgen an die 12stündige Fahrt nach Bishkek, freuen uns jetzt auf unsere Usbekistan-Alternative. Ganz liebe Grüsse!

    1. Hoi Martina
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Wir haben das Auto so gut wie verkauft… Geniesst die Fahrt, sie schön, eindrücklich und war in unserem Fall 15 Stunden lang 😉
      Liebi Grüess
      Sevi & Pam

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