Khmer Rouge – Dunkle Jahre

Die Khmer Rouge war die Kommunistische Partei Kambodschas, die von 1975 bis 1978 an der Macht war. Obwohl Kambodscha am Anfang des Krieges im benachbarten Vietnam offiziell eine neutrale Position einnahm, nutzten die Nordvietnamesischen Truppen den unzugänglichen Nordosten des Landes dennoch immer wieder als Rückzugsgebiet. Ob dies von der Regierung in Phnom Penh geduldet, unterstützt oder nur „nicht verhindert“ wurde, darüber gehen die Ansichten auseinander. Auf jeden Fall verwickelte sich Kambodscha nach und nach im Krieg des Nachbarlandes und wurde stark von amerikanischen Truppen bombardiert. Im Jahr 1970 wurde der Kambodschanische Staatschef Sihanouk durch den, von den USA unterstützten, General Lon Nol entfernt und das Land versank immer mehr in einem Bürgerkrieg.

Als dann 1975 die Truppen der Khmer Rouge in Phnom Penh einmarschierten jubelte die Bevölkerung in den Strassen. Endlich keine Kämpfe mehr!

Der neue Regierungschef Pol Pot glaubte, die Zukunft Kambodschas sei der Agrarkommunismus – und zwar sofort! Aus diesem Grund wurden grosse Teile der Stadtbevölkerung aufs Land umgesiedelt, um ein „einfaches aber aufrichtiges“ Leben zu führen. In Wirklichkeit hiess das, ein Leben unter härtesten Bedingungen auf staatlichen Gemeinschaftsfarmen. Viele fanden hier nur schon durch Mangelernährung, Überarbeitung oder Krankheiten den Tod. Da gemäss der Logik der Khmer Rouge ein Bauer keine schulische Bildung brauchte, wurden die meisten Intellektuellen deportiert und oft ermordet.
Nicht nur Gebildete, auch der Rest der Bevölkerung lebte immer mehr in Angst vor Angka („die Organisation“), der Regierungspartei. Wer sich den Anweisungen von Angka widersetzte galt sofort als Feind der Revolution, was in den meisten Fällen den Tod bedeutete.

In Phnom Penh haben wir das S21 besucht, ein Gymnasium, das von der Roten Khmer zu einem Verhörzentrum und Gefängnis umgewandelt wurde. Hier sahen wir die einzelnen Zellen der Häftlinge und konnten viele Zeugnisse von Überlebenden nachlesen. Viele Berichte stammten von Menschen die zur Ehe gezwungen wurden um eine neue Generation an Arbeitern grosszuziehen.

Nach dieser Eindrücklichen Erfahrung besuchten wir noch Choeung Ek, eines der vielen „killing fields“ in der Nähe von Phnom Penh. Hierhin wurden die Gefangenen Männer, Frauen und Kinder des S21 zur Tötung gebracht. Bei dem Rundgang über das Gelände sahen wir viele Massengräber und Tötungsinstrumente, aber auch viele Zeichen der Anteilnahme. Besonders berührt hat uns hier die Stimme des S21 Gefängnisdirektors, der sich Jahre später reuig für sein Verhalten entschuldigte.

Unser Guidebook riet uns ganz klar davon ab, mit den Locals über diese traumatisierenden Ereignisse und das Khmer Rouge Regime zu sprechen. Erstaunlicherweise wurden wir an unserem ersten Tag in Kambodscha von einem Einheimischen auf den Krieg angesprochen und er erzählte uns, wie man zum Beispiel alle Brillenträger sofort für Gebildet gehalten und verhört hatte. Was uns auffiel, waren die wenigen alten Menschen, die wir auf den Strassen sahen. Es schien wirklich so, als ob eine ganze Generation einfach ausgelöscht wurde. Viele NGOs sind noch heute in Kambodscha tätig und helfen den Minenopfern, Waisenkindern und anderen Betroffenen dieser vergangenen Gräuel. Obwohl es wahrscheinlich noch Jahre dauert, bis alle diese Wunden in der Gesellschaft verheilt sind, haben wir die meisten Kambodschaner als unglaublich offen und fröhlich erlebt.

Auch wenn uns solche Orte und Ereignisse nachdenklich oder sogar traurig machen, ist es für uns wichtig uns damit auseinanderzusetzen. Es bedeutet uns viel, wenn wir die Vergangenheit eines Landes etwas kennenlernen können um die Art und Kultur der Menschen besser zu verstehen.

Kambodscha hat aber nicht nur eine tragische Geschichte, sondern auch eine unglaublich schöne Landschaft und eine antike Hochkultur, die Khmer, von denen wir nächstens etwas mehr berichten werden.