Im Land der Steine

Wenn man unseren Reiseführer liest, könnte man den Eindruck erhalten, dass es in Armenien nichts anderes zu sehen gibt als Kirchen. Das stimmt nicht ganz, aber die vielen Kirchen und Klöster machen wirklich einen grossen Teil der Sehenswürdigkeiten Armeniens aus. Wir wussten bereits, dass Armenien das erste Land war welches das Christentum als Staatsreligion einführte (ca.300 n. Chr.), was uns natürlich sehr neugierig auf die alten Kirchen machte. Die Armenisch Apostolische Kirche, deren Wurzeln der Überlieferung nach auf den Apostel Grigor den Erleuchter zurückgehen, ist noch heute die offizielle Staatskirche. Was uns bereits in Georgien, aber in besonderem Masse in Armenien überrascht hatte, ist dass die Kirche im Alltag der Leute viel wichtiger erscheint als unsere Staatskirchen. Geht man zum Beispiel in Armenien um 10 Uhr an einem Wochentag in eine Kirche, so findet man sicher zwei bis drei Gläubige, die mit einem Priester sprechen, sich segnen lassen oder eine Kerze anzünden. Dies hat die armenische Kirche für uns irgendwie gleich viel lebendiger gemacht.

Geghard, ein besonders eindrückliches Kloster und wegen seiner Nähe zu Jerewan eines der Meistbesuchten, wurde bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. gegründet und besteht aus verschiedenen Kirchen, Kapellen und Wirtschaftsgebäuden. Sehr gut gefallen hat uns eine in den weichen Felsen gehauene Kapelle. Anders als die Felsenkirchen in Kappadokien, war diese in Geghard riesig und sehr kunstvoll aus dem Felsen gearbeitet. Die hohen Räume und die reich verzierten steinernen Torbögen haben uns beeindruckt. Da man die Felsenkirche nur über eine kleine, unscheinbare Treppe erreichen konnte, haben sich die wenigsten Touristen die Mühe gemacht dorthin zu gelangen. Aus diesem Grund waren wir beinahe alleine und konnten die Akustik ausprobieren – und sie ist gut!

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Soundcheck

Natürlich wollten wir es uns nicht entgehen lassen, den berühmtesten Berg Armeniens zu sehen. Auch wenn sich dieser gar nicht mehr auf armenischem, sondern auf türkischem Boden befindet, ist der Ararat doch immer noch ein ganz wichtiges Symbol für die Armenier. Obwohl nicht klar ist, ob sich die Bibel in 1. Mose 8,4 auf genau diesen Berg bezieht, so ist es doch sehr eindrücklich zu sehen, wie der Gipfel rund 4000 Meter über der fruchtbaren Ebene thront. Besonders der Anblick des Klosters Kohr Virap mit den beiden Araratgipfeln im Hintergrund ist schon beinahe zu perfekt. Khor Virap selber hat uns nicht ganz so begeistert, obwohl das Verliess von Grigor dem Erleuchter nur schon wegen des Gruselfaktors einen Besuch wert war. Die Legende besagt, dass König Trad III im Jahr 288 n. Chr. den Apostel Grigor für über 13 Jahre in eine Höhle einsperrte um ihn vom Glauben abzubringen. Da dies nichts nützte und Grigor König Trad zudem von einer eigentlich unheilbaren Hautkrankheit befreien konnte, liess der König ihn frei und machte das Christentum zur Staatsreligion.

Da wir in Armenien auf unser Iranvisum warteten, hatten wir viel Zeit das kleine Land zu erkunden. Was wir neben alten Kirchen in allen Landesteilen fanden waren sogenannte Chatschkare. Diese Kreuzsteine sind typisch für Armenien und wurden aus den verschiedensten Gründen errichtet. In der Nähe des Sevansees, bei Noratus, gibt es ein Feld auf dem unzählige dieser Steine stehen, manche schon an die 1000 Jahre alt. Dieses Chatschkar Freilichtmuseum zieht vor allem im Sommer viele Touristen an. Dies haben die Babuschkas des Dorfes als lukrative Einnahmequelle erkannt und bieten selbst gestrickte Socken, Handschuhe und Ähnliches an, was mir bei den Temperaturen um 0°C gerade recht kam. Seither habe ich wieder schön warme Füsse.

Wir können uns Armenien gar nicht mehr vorstellen ohne seine Kirchen und Klöster. Mit Stolz haben die Armenier davon erzählt, dass Sie das erste christliche Land waren. Gleichzeitig haben sie uns von den freundschaftlichen Beziehungen zum südlichen Nachbarn Iran berichtet. Zu sehen, das diese beiden Länder, das eine sehr stark in der Christlichen Religion verwurzelt, das andere streng islamisch, sich gegenseitig als wichtige Freunde sehen und friedlich zusammenleben hat uns schon stark über unsere westliche Sicht auf die islamischen Länder nachdenken lassen!

2 thoughts on “Im Land der Steine

  1. Ihr Liebe

    mir lesed au immer wieder gern was ihr erlebed und sind echt beidruckt ab de föteli. au b eus i de schwiz isches jetzt Winter worde, es isch richtig chalt und au mir gönd nüme ohni chape veruse.
    Ihr händ mal gschriebe ihr ghöred gern news vo dihei :-):
    Bi eus gits nächst früehlig es neus familiemitglied 😉

    sind gesegnet
    prisi und familie

    1. Halli hallo
      Bi eus wirds immer wärmer, je meh mer in Süde chömed. Aso isch nüt mit Wiehnachtsstimmig.. 🙂
      Wua wie cool! Mir freued eus beidi mega mit eu.
      Wünsched eu Gottes Säge!

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