Kungrad, Aktau und das Fährbillet

Von Kungrad, unserem letzten Aufenthaltsort in Usbekistan, fuhren wir mit dem Zug nach Aktau in Kazachstan. Von dort aus hofften wir mit der Fähre nach Baku in Azerbaijan reisen zu können.

Kungrad – Vielen Dank lieber Taxifahrer

Um diese Geschichte erzählen zu können müssen wir etwas ausholen. Obwohl Usbekistan als wichtigstes Reiseland der Seidenstrasse gilt, vertraut die Regierung den ausländischen Besuchern nicht so ganz. Deshalb müssen alle Touristen jede Nacht in einem lizenzierten Hotel registriert sein und bei der Ausreise eine Übernachtungsbestätigung desselben vorweisen. „Failing to do so can result in serious consequences“ (Heavy fines or bakshees).

Aus diesem Grund haben wir uns im Vorhinein über unsere Übernachtungsmöglichkeiten in Kungrad informiert. Das Ergebnis unserer Recherche war allerdings eher dürftig. Angeblich sollte es ein Hotel in dieser Stadt haben aber genauere Infos haben wir nicht gefunden. Als wir dort ankamen, haben wir lange gesucht und herumgefragt und mussten schliesslich erfahren, dass das einzige Hotel geschlossen war. Was nun, wir sollten ja wahrscheinlich nicht am Bahnhof übernachten…?

Schlussendlich hat sich der Taxifahrer unserer erbarmt und uns unter dem Siegel der Verschwiegenheit (und gegen einen „Unkostenbeitrag“) eine Übernachtung bei sich zuhause angeboten. Wir waren heilfroh, hatten wir ein Dach über dem Kopf und wurden sogar mit usbekischen Delikatessen versorgt.

Noch einmal davongekommen

Am nächsten Morgen fuhr der Zug pünktlich um 8.00 Uhr los. Die Landschaft war sandig und eher eintönig. Am Nachmittag kamen wir zur Grenze und machten uns auf etwas Warten gefasst. Einigermassen nervös, weil wir ja für die letzte Nacht keine Registrierungsbestätigung hatten, warteten wir auf die Grenzkontrolle. Nachdem wir vier Stunden gewartet hatten, in denen nur einige Melonenschmuggler entdeckt wurden, kam die Reihe an uns. Der Drogenschnüffelhund machte die Runde, unsere Pässe wurden kontrolliert und mit einem „goodbye“ wurden wir entlassen. Irgendwie haben wir ja schon damit gerechnet, waren aber dann trotzdem ein bisschen enttäuscht, als niemand unsere Hotelregistrationen sehen wollte. Einmal mehr zeigte sich, dass auch hier heisser gekocht als gegessen wird.

Am nächsten Morgen fuhren wir, trotz der langen Wartezeit am Zoll, pünktlich in Aktau ein. Wir machten uns sofort auf die Suche nach einem guten Frühstück und unserem, diesmal vorgebuchten, Hotel.

Aktau – Die Schnitzeljagd

Unser Ziel in Aktau war es, innerhalb der 15 Tage die wir in Kazachstan bleiben konnten, eine Fähre nach Baku zu erwischen. Online findet man einige Informationen zu diesem Thema, die aber wie immer mit Vorsicht zu geniessen sind. So haben wir uns daran gemacht diese zu überprüfen.

Das Erste Office das Fährtickets verkaufen sollte, stellte sich als kleiner Lebensmittelladen heraus. Obwohl die Verkäuferin sehr liebenswürdig war, hatte sie noch nie etwas von einer Fähre nach Baku gehört und wusste nicht wo wir diese Tickets erhalten konnten. Sie erklärte uns jedoch den Weg zu einem Travelagent, welcher uns vielleicht weiterhelfen könne.

Bei dieser Reiseagentur angekommen, wussten die Angestellten sofort, was wir brauchten und erklärten uns, dass wir die Tickets nur am Hafen kaufen können. Also auf zum Hafen. Nach einer abenteuerlichen Busfahrt durch die Stadt und das angrenzende Industriegebiet erreichten wir den Frachthafen. Nach einigem herumfragen fanden wir jemanden, der schon mal etwas von einer Fähre nach Baku gehört hatte und uns eine Adresse in der Innenstadt gab, wo wir angeblich das Billet kaufen können.

Ok.

Diese Adresse war leicht zu finden, nur war das Büro leider geschlossen weil heute Sonntag ist. Am nächsten Morgen haben wir also zur rechten Zeit das Office aufgesucht. Eine Mitarbeiterin hat uns erklärt was die Fähre kostet und dass Sie jeden Morgen wüssten, ob am aktuellen Tag eine Fähre auslaufen würde. Das Ticket können wir aber erst am Tag der geplanten Abfahrt kaufen.

Zwei Tage später war es dann soweit. Es hiess es fahre wieder eine Fähre! Wir kauften also das Ticket, haben alles gepackt, ausgecheckt und sind pünktlich gegen Abend zum Hafen gefahren. Da das Schiff wegen eines Sturmes jedoch noch nicht anlegen konnte, teilte man uns mit wir sollen doch ins Hotel zurückkehren und dort bis auf weiteres warten. Da man jedoch nicht genau wisse, wann die Fähre einlaufe, sollen wir doch alle zwei bis drei Stunden im Hafen anrufen und fragen. „Jaja genau, auch während der Nacht.“ Zum Glück war jedoch die Reception in unserem Hotel 24 Stunden besetzt und die Receptionistin bot uns an diese Anrufe für uns zu übernehmen.

Endlich! Die Fähre nach Baku ist da, aber…

Weitere zwei Tage später war unsere Fähre im Hafen und konnte sogar anlegen. Wir wurden am späten Vormittag informiert, dass wir uns sofort zum Hafen aufmachen müssen, unsere Fähre nach Baku sei bereit . Da die Busfahrt wahrscheinlich zu lange dauere, sollen wir doch besser ein Taxi nehmen.

Wir waren pünktlich am Hafen, weshalb wir dann dort noch einmal einen halben Tag mit den türkischen Lastwagenfahrern warteten bis alles bereit war. Am späten Nachmittag konnten wir an Bord des Schiffes gehen und in der Abenddämmerung begann die Überfahrt.

Unser Fazit:

Wenn man genügend Zeit und Geduld hat, lohnt es sich. Für einige Franken mehr könnte man jedoch unkompliziert und in kurzer Zeit nach Baku fliegen. Da wir uns aber in den Kopf gesetzt haben so wenig wie möglich mit dem Flugzeug zu reisen, würden wir es wieder genauso machen.

Das wichtigste in Kürze:
Preis für das Ticket und was du dafür kriegst: 80.- USD pro Person. Darin enthalten ist die Überfahrt, drei Mahlzeiten pro Tag an Bord, ein „Bett“ im „Passagierraum“ und sauberes (kein Witz) Bettzeug.
Wo kriege ich das Ticket? Das Büro welches sicher Tickets verkauft befindet sich im 5. Microrayon, Gebäude 29, Wohnung 1. (Es gibt keine Strassennamen in Aktau.)
Unterkunft in Aktau: Das Hotel Kaspijskij Bereg (Каспийский берег) vermietet Betten in den (feuchten) Zimmern im Keller für 9 USD pro Person. Einfach an der Reception nach dem „Hostel“ fragen. Die Lage im 7. Microrayon ist recht gut und das Personal hilfsbereit.

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