Auf den Spuren des Medicus

Bei unserer Ankunft in Esfahan konnten wir langsam aber sicher die lokalen Taxifahrer und ihre ungefähren Fahrpreise einschätzten. Wir hatten an diesem Tag auch alle Zeit der Welt und konnten deshalb in einem günstigen Sammeltaxi darauf warten, bis sich dieses mit Passagieren füllt. Da es aber auch nach einigem Warten keine weiteren Passagiere gab, hat uns der Taxifahrer schlussendlich für einen minimalen Aufpreis direkt zu unserem Hotel gefahren.

Esfahan, mit seinen alten Gebäuden und schönen Brücken über den Zayandehrud, hat uns begeistert. Vor allem um den Meydan-e Imam, kurz Meydan, den wichtigsten Platz der Stadt, fanden wir viele interessante Orte. Hier stehen einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Esfahans und viele Handwerker haben sich im Überdachten Bazar ihre Werkstätten eingerichtet. So fanden wir in einem kleinen Hinterhof einen Stoffdrucker dem wir bei seiner täglichen Arbeit zuschauen konnten.

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Stoffdrucker in Esfahan

Auch ein Miniaturenmaler, der uns ganz genau erklärte welche wichtigen Persönlichkeiten seine Werke darstellen und welche der Bilder antike Originale seien, hatte sein Atelier im Bazar. In einigen Gassen des Bazars hörten wir das Klopfen der Kupferschmiede und sahen sie bei der Arbeit, wie sie ihre Töpfe, Schalen und Teller in Form brachten. Am Meydan befinden sich zwei der wichtigsten Moscheen Esfahans und der Ali Qapu Palast. Vor allem der Palast hat uns sehr gut gefallen mit seinen schönen Malereien und Stuckarbeiten. Ali Qapu, auch die „Hohe Pforte“ genannt, wurde im frühen 17. Jahrhundert von Shah Abbas I, einem Safavidenherrscher, errichtet und diente als Ort für das Entertainment seiner noblen Gäste.

Gerade weil der Meydan sehr schön ist und diese wichtigen Sehenswürdigkeiten dort stehen, gibt es auch viele touristische Souvenirläden, die allerlei Handwerksarbeiten anbieten. Hier habe ich mir auch endlich ein zweites, in Iran angebrachtes, Kleidungsstück gekauft. Ich halte mich zwar für modisch nicht so anspruchsvoll, aber drei Wochen täglich immer im selben Outfit waren doch tatsächlich etwas viel!

Auf der Suche nach Ibn Sinas Spital, der in Noah Gordons Weltbestseller eine wichtige Rolle spielt, haben wir uns in den engen Gassen verlaufen, was aber den Nachmittag umso spannender machte. Das Spital selber ist ziemlich unscheinbar und nicht unbedingt einen Besuch wert. Umso schöner war es dann am Abend dem Fluss entlang zu spazierten, wo wir die eindrucksvollen, alten Brücken in der Dämmerung bewundern konnten.

Unsere Reise ging von Esfahan weiter nach Yazd, der zweiten richtigen Wüstenstadt auf unserer Reise. Auch hier gab es, wie bereits in Kashan, eine Altstadt aus Lehmbauten mit Windtürmen. Angekommen sind wir genau auf das Ende der Trauerfeier um Imam Al-Husain, weshalb wir die Stadt mit einer riesigen Masse von Menschen teilen durften. An diesem Festtag strömten die Leute zu Hunderten in die Moscheen um zu beten. Währenddessen wurde in den Gassen und auf den Plätzen gratis Chai, Kaffee und Essen verteilt. Bereits etwas abseits der grossen Moscheen waren wir schon bald relativ alleine und haben ein wunderbares Café mit Blick über die ganze Altstadt gefunden.

Da Yazd eine Wüstenstadt ist, ist Wasser ein grosses Thema. Aus diesem Grund gibt es hier ein Wassermuseum, welches wir besuchten. Es befindet sich in einem alten Wohngebüude mit einem kühlen, grünen Innenhof und diversen Zugängen zum Keller, welcher zum Museum umgestaltet worden ist. Ausgestellt sind Geräte die früher benutzt wurden um Brunnen und unterirdische Wasserkanäle zu graben und auch Bilder und Texte die erklären wie das heute noch funktioniert. Uns schauderte bei der Vorstellung wie die Leute früher nur mit einem dicken Turban als Kopfschutz in den engsten Gängen tief unter der Erde nach Wasser gruben.

Neben dem sehr interessanten Wassermuseum haben wir hier auch einen der wichtigsten zoroastrischen Feuertempel besucht. Neben ihrem Gott Ahura Mazda und dem Prophet Zarathustra gelten für die Zoroastrier auch die vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser als heilig. Deshalb wurden früher die Toten weder begraben noch verbrannt, sondern auf Türmen den Vögeln überlassen. Sobald kein Fleisch mehr an den Knochen war, wurden diese in speziellen Behältern in der Erde vergraben, sodass keines der Elemente verunreinigt wurde. Die Feuertempel sind Orte an denen das heilige Feuer aufbewahrt wird und dasjenige im Tempel in Yazd brennt der Legende nach seit rund 1600 Jahren. Uns hat der Tempel den wir in Teheran besichtigten besser gefallen, wobei wir aber in demjenigen in Yazd mehr über die Religion erfahren haben.

Von Yazd ging unsere Reise weiter nach Shiraz, der Gartenstadt, wo wir uns speziell auf Persepolis freuten.

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