Bishkek – Vom Bazar zum verlassenen Casino

Da die Kirgisen bis zum Ende des 19.Jh. als Nomaden lebten, gab es keine Siedlungen oder gar Städte im Gebiet des heutigen Nordkirgistan. Die Stadt Osh im Süden ist zwar schon mehrere tausend Jahre alt (zwischen 3000 und 5000, je nachdem wen man fragt…) aber Osh gilt eher als usbekische, denn als kirgisische Stadt.

Auf jeden Fall ist Bishkek, die Hauptstadt, eine sehr junge, dafür aber typisch sowjetische Stadt. Sie besteht aus breiten, rechtwinklig verlaufenden Strassen, unzähligen Monumenten, schönen grünen Parks, viel Marmor und nicht so viel Charme.

Trotzdem gibt es auch in Bishkek einige interessante Ecken zu sehen.

Dordoi Bazar

Zum Beispiel den Dordoi Bazar. Der angeblich grösste Bazar Zentralasiens ist beinahe ein Stadtteil für sich. Allerdings ein Stadtteil, der komplett aus alten Schiffscontainern aufgebaut ist. Reihe um Reihe stehen die Container (manche sagen es seien 15‘000) auf einem riesigen Gebiet im Norden der Stadt und dienen als Lager und Verkaufslokale. Es gibt wohl nichts, was man dort nicht kaufen könnte. Sei es ein Lastwagen voller Melonen, Ersatzteile für jeden erdenklichen Motor, oder ein riesiger Flachbild – TV, Dordoi has it all!

Osh Bazar

Auch der Oshbazar (benannt nach der Stadt Osh, aber in Bishkek lokalisiert) ist unserer Meinung nach einen Besuch wert. Eine ganze Halle voller Trockenfrüchte und die günstigsten Souvenirs der Stadt, machen einen Streifzug durch den Oshbazar sehr interessant. Von den Kurut, den getrockneten Käsebällchen, sollte man vielleicht besser die Finger lassen, sie schmecken wie Glarner Schabzieger mit Essig. Dafür haben wir dort das beste Schorpo, eine Art Siedfleischsuppe mit Hammelfleisch, von ganz Kirgistan gegessen.

Verlassenes Casino

Besonders faszinierend waren aber all die verlassenen sowjetischen Bauten. So beschert einem zum Beispiel eine Erkundungstour durch das verlassene Casino einen sehr spannenden Nachmittag.

Während der Sowjetzeit als Universitätsbibliothek gebaut, beherbergte das Gebäude ab Mitte der 80 Jahre das Naryn Restaurant. Nach der Revolution 2005 wechselte das Bauwerk den Besitzer, da sich herausstellte, dass es dem Sohn des Korrupten Präsidenten Akayev gehörte. Bis 2012 jegliches Glücksspiel in Kirgistan verboten wurde, wurde das Gebäude als Nachtclub und Casino genutzt. (Quelle: Cooper Thomas)

Abandoned Casino Bishkek
Treppenhaus im verlassenen Casino Bishkek

Als wir das Gebäude betraten, trafen wir auf ein Pärchen, welches sich im riesigen Bau bestens auskannte. Die zwei boten sich uns als Führer an und zeigten uns den Weg aufs Dach, von wo sich ein hervorragender Ausblick über den Siegesplatz bietet. Obwohl das Innere des Gebäudes mit Trümmern übersät ist, lässt sich noch immer erahnen wie Prunkvoll es eingerichtet war. Jeder Raum bietet wieder eine neue Überraschung, von einer noch immer mehr oder weniger intakten Bar, über eine goldene Kuppel im obersten Geschoss, bis zu alten Leitungen und Installationen, welche teilweise ein undurchdringliches Wirrwarr bilden.

Vor allem aber haben wir es in Bishkek auch schön gefunden, mal wieder eine Zeit lang an einem Ort Zuhause zu sein. Nach den ersten Tagen wussten wir bei welchem Händler wir das frischeste Gemüse erhielten, wo es den besten Kaffee gab und wo der nächste Supermarket war.

Die gut drei Wochen hier haben uns auch Zeit verschafft, um uns um die nächsten Visas zu kümmern. Bald haben wir alle in der Tasche und dann geht’s auf zum Issyk-Kul See.

2 thoughts on “Bishkek – Vom Bazar zum verlassenen Casino

  1. Liebs Pämi, liebe Sevi
    ich verfolge eue blog und freu mi immer, wenn es mail chunt mit de nachricht, dass widr en neue biitrag online isch.
    die bilder vo kirgisie gsehnd ja fasch chli us wie im engadin! schön!
    hendr scho vergorni stutemilch trunke? ha ghört, das segi sehr „fein“….. 😉
    denn wünschi dir sevi na ganz en schöne geburtstag, mit unvergessliche erlebnis und gottes schutz und säge für eui heireis. juhui, ihr chöme ja scho fast bald chame säge. 😉
    en ganz en liebe gruess
    nadja

    1. Liebi Nadja
      Ja, Kirgistan hät eus sehr ad Schwiiz erinneret. Das mit de vergorene Stutemilch isch sones Züüg, mir häds natürlich probiert und ganz so schlimm wie erwartet isches gar nöd. Trotzdem würemers nöd jede Tag welle trinke.
      Danke vielmal fürd Geburiwünsch.
      Mir freued eus scho au chli zum wieder hei cho, gnüsed aber die Ziit womer no händ.
      Bis dänn.
      Liebe Gruess au vom Pämi

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