Armenien – Hitchhikers Paradise

Es gibt es wirklich, ein noch kleineres Land als die Schweiz! Wenn man von Norden her den kleinen Kaukasus überwindet kommt man nach Armenien, dem kleinen Staat mit den grossartigen Menschen.

In Georgien haben wir zwei Backpacker kennengelernt, welche uns von Armenien und den Armeniern nur so vorgeschwärmt haben. Diese zwei waren der Meinung, wenn man in Armenien nicht per Autostopp unterwegs sei, verpasse man das Beste. Da wir das Beste nie verpassen wollen, haben wir uns gespannt an den Strassenrand gestellt.

Daumen raus – Lächeln ins Gesicht! Am Anfang hat es sich beinahe etwas frech angefühlt, aber bald schon haben wir uns an die Sprache der Autofahrer gewöhnt.

Einmal hupen: „Hallo zusammen, aber ich halte jetzt nicht an.“
Arme über dem Lenkrad kreuzen: „Ich habe keinen Platz, würde euch aber schon mitnehmen.“
Mit Zeigefinger über dem Lenkrad kreisen: „Ich fahre nur zur einer der nächsten Strassen.“

Sehr oft jedoch, nicht selten sogar beim ersten Auto, wurde ohne Rücksicht auf Verlust eine Notbremsung eingeleitet, die Scheibe runtergelassen und grinsend zum Einsteigen aufgefordert.

Einmal mehr haben wir es bereut kein Russisch zu sprechen, da dies oftmals die einzige Fremdsprache war welche die Leute beherrschten. „Njet Russkiy“ wurde zu einem unserer Standardsätze und „Angliyski? Frantsuzskiy? Germanskyi?“ zu einer oft gestellten Frage. Meistens konnten wir uns dann aber doch mit Händen und Füssen unterhalten und die Fragen unserer Fahrer beantworten. So sind wir mit Offizieren der armenischen Armee, mit Polizisten, Geschäftsleuten und Weinbauern unterwegs gewesen. Schnell haben wir herausgefunden, dass Lastwagenfahrer eher von der schweigsamen Sorte sind, was für uns zwischendurch ganz angenehm war. Zudem fuhren diese meistens grosse Strecken und wir brauchten nicht „umzusteigen“, weshalb wir bald jede Mitfahrt in einem Lastwagen als Jackpot ansahen. Eines der Highlights war, als einmal ein Lastwagen nur noch einen Platz vorne in der Kabine frei hatte und ich auf einer wunderschönen Passstrasse die ganze Strecke hinten auf der Brücke mitfahren konnte.

Armenien Hitchhiking
Auf der Ladebrücke eines uralten Lastwagens über den Selimpass.

Ein lustiges Erlebnis war, als wir eines Morgens einen Ausflug machen wollten, und uns vier Polizisten in ihrem Auto mit fünf Plätze mitnahmen. Der Fahrer und der Beifahrer hatten es wohl recht bequem, während sich zwei Polizisten und zwei Hitchhiker auf die Rückbank quetschten. Wir hätten uns dies wohl nicht gewagt, wenn es sich nicht um die Polizei gehandelt hätte.

Auf dem Rückweg von einem anderen Ausflug konnten wir mit einem 40 jährigen Motorrad mit Seitenwagen mitfahren. Der stolze Besitzer dieser Dnjepr hatte zuvor den ganzen Tag Hagenbutten gesammelt, welche er dann im Tal für 50 Rappen pro Kilo verkaufte. Um sich diese Arbeit ein wenig zu erleichtern hat er sich einige Schlucke seines ausgezeichneten Hausweins gegönnt, was die Rückfahrt zu einem abenteuerlichen Unterfangen machte. Glücklicherweise wollte er Benzin sparen und liess deshalb das Motorrad auf der leicht abschüssigen Strasse nur rollen, was ein zu schnelles Fahren verhinderte.

Ganz grundsätzlich haben die armenischen Autofahrer einen etwas eigenen Fahrstil, weshalb wir sie nur noch liebevoll Armeniacs nennen. Es ist aber so einfach in Armenien eine Mitfahrgelegenheit zu finden, dass wir alle grösseren Strecken in Armenien per Hitchhiking zurückgelegt haben.

Wir haben dieses Land und die Menschen irgendwie vom ersten Moment an in unsere Herzen geschlossen und würden es jedem abenteuerlustigen Hitchhiker sofort bedingungslos empfehlen.

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