Am goldenen Horn

Der Angestellte der griechischen Bahn in Athen hat uns bei jeder Erwähnung des Namens Istanbul freundlich darauf hingewiesen, dass es richtigerweise Konstantinopel heisst.

Jetzt sind wir aber in der Türkei und hier heisst es Istanbul!

Von der Stadt zwischen zwei Kontinenten haben wir schon viel gehört und dementsprechend auch Erwartungen gehegt. Wir freuten uns auf eine Metropole in der Kulturen aufeinanderprallen, wo Muslime und Christen miteinander handeln, leben und arbeiten, wo es historische Gebäude, moderne Menschen und bunte Bazare gibt.

In Istanbul haben wir uns sehr wohl gefühlt, da es eine wunderbare Stadt für Entdecker und Neugierige ist. Vor allem haben uns die Cisterna Basilica, eine Byzantinische Zisterne welche als Wasserspeicher für den Kaiserlichen Palast diente, der Topkapi Palast und der Mısır Çarşısı (ein Gewürzbazar am Hafen) gefallen.

Lieber als von den Sehenswürdigkeiten, würden wir euch aber von Oskar berichten.

Bereits am ersten Abend in der Stadt sind wir auf den Laden von Oskar gestossen und stehen geblieben. Sein Shop ist gefüllt mit Lederjacken. Lederjacken mit Pelz, Lederjacken mit Wolle, die einen für Sie die anderen für Ihn. Seine Auslage ist echt gut arrangiert, weder überladen kitschig noch zu modern.

Oskar hat uns natürlich, wie jeder gute Verkäufer, also wie jeder Istanbuler, sofort angesprochen. Nachdem er herausgefunden hat, dass wir aus der Schweiz stammen, hat er uns gleich in seinem guten Englisch erklärt, dass er nächstens in die Schweiz führt, da er in Zürich auch einen Laden eröffnen möchte. Seine Jacken seien mehrheitlich von Ihm designt und alle in der Türkei hergestellt. Wir haben einem Treffen zum Tee für den nächsten Nachmittag zugestimmt.

Als wir am Tag darauf beim Shop auftauchten, wurden wir sofort von Oskar wiedererkannt und begrüsst. Er führte uns zu einer Couch im Laden und servierte uns ein Glas Tee. Es war ungemein faszinierend, wie Oskar uns ganz langsam und gekonnt um den Finger zu wickeln begann. Bald hatten wir echt das Gefühl, dass wir eigentlich beide eine Lederjacke gut gebrauchen könnten. Die ganze Zeit fühlten wir uns aber auch einfach wohl, da er uns zu nichts drängte, obwohl er bei jedem unserer Argumente gegen einen Kauf garantiert eines dafür fand.

In Oskars Shop
In Oskars Shop

Schlussendlich war er aber ganz klar auch an der Schweizer (Kauf-)Kultur interessiert und es hat Spass gemacht ihm zu erklären, wann und weshalb wir Geld ausgeben. Als er erfuhr, dass wir einen Blog schreiben, hätte er uns die Jacken sogar noch zu einem bedeutend günstigeren Preis gegeben, wenn wir dafür etwas Werbung für seinen Laden machen würden. Da wir aber im Moment wirklich keine Lederjacken gebrauchen können, sind wir standhaft bei unserem „Nein“ geblieben. Wir müssen allerdings zugeben, dass es uns wegen den unschlagbaren Preisen und der guten Qualität echt schwer gefallen ist. Da Oskar jedoch sympathisch und der Tee gut war, möchten wir euch doch empfehlen bei eurem nächsten Istanbulaufenthalt hinter der Blauen Moschee, an der Küçük Ayasofya Cad. 7/1, vorbeizuschauen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Übrigens heisst der Besitzer nicht wirklich Oskar, aber wir haben seinen Namen vergessen und der Laden heisst Oscar 65.

Schlussendlich gibt es aber immer noch Stadtteile von Istanbul die wir noch nicht oder nur wenig gesehen haben. Zum Beispiel sind wir erst am letzten Tag mit der Fähre über den Bosporus zur asiatischen Seite Istanbuls gefahren. Auch Galata, auf der nördlichen Seite des Goldenen Horns, haben wir ganz aussen vor gelassen. Istanbul ist für uns aber ganz klar einen weiteren Städtetrip wert, nicht nur wegen der Lederjacken von Oskar.

2 thoughts on “Am goldenen Horn

  1. Ihr Lieben – Gut hatte Oskar keinen Teppichladen!
    Tja, von gewissen Klischees wird man auch als BackPacker nicht verschont – (bigsmile).
    Seid umarmt (bighug)!

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