Albanien – Seafood und Bunker

Nach Tirana hat uns eigentlich nur ein einziger Grund gezogen – die Familie. Verwandte von Sevi leben aus beruflichen Gründen für vier Jahre mit der Familie in Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Diesen kleinen Abstecher von unserer Route nach Westen wollten wir uns deshalb nicht entgehen lassen.

Von und nach Albanien gibt es keine internationalen Zugverbindungen, weshalb wir das erste Mal auf unserer Reise den Bus nahmen. Dieser chauffierte uns in rund 8 Stunden von Skopje via Ohridsee durch eine wunderschöne Landschaft bis ins Zentrum von Tirana. Dort wurden wir mit einem uns völlig unbekannten Stadtbussysem konfrontiert. Es gibt nämlich nirgends irgendwelche Linienpläne oder ähnliches und die Busse sind nur mit der Endstation angeschrieben. Somit führt man einfach in die ungefähre Richtung. Dies funktioniert einwandfrei wenn man die Stadt kennt und/oder Albanisch spricht. Haben wir aber beides nicht. Wir wurden natürlich im Vorfeld darauf hingewiesen, dass wir besser ein Taxi nehmen sollten, was wir dann nach einigen erfolglosen Versuchen schlussendlich auch machten.

Mit der Familie durften wir einen gemütlichen ersten Tag am Strand in Durrés, ca. 40 km westlich von Tirana, verbringen. Am nächsten Tag sind wir nach Kruja gefahren, einem kleinen, alten Ort, in den Bergen nördlich von Tirana. Im Gegensatz zu Tirana selbst, das mit seinen gut 400 Jahren noch relativ jung ist, bestand Kruja bereits im 9 Jahrhundert. Zu Ehren des Nationalhelden Skanderbeg, der Albanien von Kruja aus während 18 Jahren erfolgreich gegen die Osmanische Armee verteidigte, hat Architektin Pranvera Hoxha, die Tochter von Enver Hoxha, innerhalb der Festungsmauer eine Burg errichten lassen – das Skanderbegmuseum.

Unterhalb der Festung, in einer engen Gasse der Altstadt befindet sich der Bazar. Diese hübsche, alte Gasse ist gesäumt von kleinen Läden, welche in Albanien hergestellte Souvenirs verkaufen. Die Gebäude stammen mehrheitlich aus dem 19. Jahrhundert und zeigen die Architektur, welche typisch ist für diese Bergregion. In einigen Läden kann man der Weberin gleich zusehen, wie sie einen der traditionellen Teppiche oder Tischläufer herstellt. Uns beiden hat Kruja sehr gut gefallen, ich würde natürlich nur schon wegen dem Bazar wieder dort vorbei gehen! Das erste was ich mir auf unserer Reise gekauft habe ist eine alte, Tschechoslowakische Armbanduhr.

Wie schon in den anderen Städten haben wir es auch in Tirana genossen, einfach herumzustreunen und so die Stadt zu erkunden. Einen Tag lang waren wir mit den Velos von Debora und Thomas unterwegs, am anderen sind wir drauflos marschiert. Wir haben gesehen, wo sich die Teenager nach der Schule treffen um zu chillen oder den neuen Roller zu demonstrieren und diejenigen Plätze entdeckt, wo die alten Männer zusammensitzen um Brett- und Kartenspiele zu spielen. Wir haben die „Strassenbeizli“ besucht wo sich Einheimische zum Snack, Mittagessen oder Geschäftsessen treffen und den Verkehr in der Innenstadt hautnah miterlebt.

Albanien war bis Ende der 1980er Jahre das isolierteste Land Europas. Unter der sozialistischen Diktatur Enver Hoxhas wurde ein totales Religionsverbot erlassen und Albanien zum ersten Atheistischen Staat der Welt erklärt. Da sich Hoxha sowohl vom Westen, als auch vom Osten bedroht fühlte, gab er den Bau von rund 780’000 über das ganze Land verteilten Bunkern in Auftrag. Bis zu Hoxhas Tod wurden rund 200’000 dieser Bunker gebaut, welche noch heute an allen möglichen und unmöglichen Orten das Landschaftsbild zieren. Nach dem Tod Hoxhas wurde in der Innenstadt Tiranas eine Pyramide errichtet in der ein Museum über sein Leben eingerichtet wurde. Dieses Bauwerk steht immer noch mitten in Tirana, ist aber mittlerweile völlig verlottert und gibt ein letztes Bild vom Personenkult um diesen Diktator.

Nach diesen paar Tagen Familienleben (Sonntagmorgens Zopf, selber gekochtes Znacht, spielen mit den Kindern, usw.) haben wir uns auf den Weg nach Athen gemacht. Auf dem ganzen Weg in den Süden gab es so viele wunderschöne Orte. Tirana ist ja doch eher eine neue Stadt, die von der Architektur her nicht wirklich viel Charme hat, weshalb uns der Süden mit seinem unberührten, ländlichen Bild sehr gut gefallen hat. Leider sind wir nur durchgefahren, denken jedoch, dass das ländlichere Albanien durchaus eine separate Reise wert wäre.

2 thoughts on “Albanien – Seafood und Bunker

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.